Um digitale Werkzeuge sinnvoll einzuordnen, ist es hilfreich, sie nach didaktischen Funktionen zu betrachten. Ein Tool kann mehrere Funktionen erfüllen, entscheidend ist, welche Funktion im jeweiligen Szenario im Vordergrund steht.
Organisation und Strukturierung von Lernen
Didaktische Funktion
- Zentrale Lernumgebung
- Strukturierung von Inhalten, Aufgaben und Zeitabläufen
- Transparenz von Anforderungen und Leistungen
Typische Einsatzbereiche
- Bereitstellung von Lernmaterialien
- Aufgabenmanagement und Abgaben
- Kurskommunikation
- Leistungsnachweise
Konkrete Beispiele
- Ein Kurs wird im LMS entlang der Wochenstruktur aufgebaut (jede Woche: Ziel – Materialien – Aufgabe – Feedback).
- Aufgaben werden mit klaren Deadlines und Bewertungskriterien im LMS veröffentlicht und dort eingereicht.
- Ein Forum „Fragen zum Kurs“ dient als zentraler Kommunikationskanal, um E-Mails zu reduzieren.
- Lernfortschritte werden über Checklisten oder Abschlussbedingungen sichtbar gemacht.
- Leistungsnachweise (z. B. Portfolio oder Projektarbeit) werden inkl. Rubrics im LMS dokumentiert.
Beispiele für Werkzeuge
- Moodle – modularer Aufbau, weit verbreitet im Hochschulbereich
- ILIAS – stark strukturiert, differenzierte Rechte- und Testfunktionen
- OpenOLAT – gut geeignet für Kursorganisation und Gruppenarbeit
- Canvas – intuitives Interface, starke Kurs- und Feedbackfunktionen
- Google Classroom – einfache Organisation, besonders im Schul- und Weiterbildungsbereich
Didaktischer Hinweis
Das LMS bildet den verbindlichen Referenzrahmen. Weitere Tools sollten daran angebunden sein, nicht daneben existieren.
Kollaboration, Visualisierung und gemeinsames Denken
Didaktische Funktion
- Gemeinsames Sammeln, Ordnen und Strukturieren von Ideen
- Sichtbarmachen von Denk- und Arbeitsprozessen
- Förderung konstruktiver und interaktiver Lernaktivitäten
Typische Einsatzbereiche
- Brainstorming und Ideensammlungen
- Projektplanung und -strukturierung
- Gemeinsame Wissenssicherung
Konkrete Beispiele
- Studierende sammeln Vorwissen zu einem Thema auf einer gemeinsamen Pinnwand.
- Gruppen entwickeln ein Concept Map zu einem theoretischen Modell.
- Projektteams visualisieren ihren Arbeitsplan mit Meilensteinen.
- Ergebnisse aus Gruppenarbeiten werden in einer Galerieansicht gegenseitig kommentiert.
- Reflexionsfragen werden sichtbar beantwortet und miteinander in Beziehung gesetzt.
Beispiele für Werkzeuge
- Miro – visuelle Zusammenarbeit, Concept Maps, Projektplanung
- Taskcards – strukturierte Pinnwände, besonders im Bildungsbereich
- Padlet – einfache Ideensammlungen, Galerie- und Kommentaransichten
- Conceptboard – gemeinsame Visualisierung und Moderation
- FigJam – niedrigschwellige visuelle Zusammenarbeit
Didaktischer Hinweis
Der Mehrwert entsteht durch klare Aufgabenstellungen, nicht durch offene Sammelflächen ohne Fokus.
Aktivierung, Rückmeldung und formative Evaluation
3. Aktivierung, Rückmeldung und formative Evaluation
Didaktische Funktion
- Aktivierung von Vorwissen
- Überprüfung des Verständnisses
- Laufende Rückmeldung an Lernende und Lehrende
Typische Einsatzbereiche
- Einstieg in neue Themen
- Zwischenchecks in Online- oder Präsenzphasen
- Reflexion und Meinungsabfragen
Konkrete Beispiele
- Einstieg mit einer Meinungsfrage, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.
- Kurzer Wissenscheck nach einer Selbstlernphase.
- Abfrage von Unsicherheiten oder offenen Fragen am Ende einer Sitzung.
- Entscheidungsfragen zu Fallbeispielen mit anschliessender Diskussion.
- Anonyme Rückmeldung zum Tempo oder Schwierigkeitsgrad des Kurses.
Beispiele für Werkzeuge
- Mentimeter – Umfragen, Wortwolken, Quiz
- Wooclap – Aktivierung und formative Checks in Live-Situationen
- Poll Everywhere – einfache Live-Abfragen
- Microsoft Forms – kurze Feedback- oder Reflexionsfragen
- Google Forms – asynchrone Verständniskontrollen
Didaktischer Hinweis
Formative Tools unterstützen Lernbegleitung nur dann, wenn die Ergebnisse aufgegriffen und kommentiert werden.
Kooperation an Texten, Daten und Produkten
Didaktische Funktion
- Gemeinsames Erarbeiten von Lernprodukten
- Dokumentation von Lernprozessen
- Unterstützung selbstorganisierter Gruppenarbeit
Typische Einsatzbereiche
- Gruppenarbeiten
- Projektberichte
- Peer-Feedback
Konkrete Beispiele
- Gruppen verfassen gemeinsam einen Projektbericht mit Kommentar- und Überarbeitungsfunktion.
- Studierende geben sich Peer-Feedback direkt im Dokument anhand vorgegebener Kriterien.
- Ein gemeinsames Dokument dient als laufendes Lernjournal.
- Gruppen sammeln Rechercheergebnisse strukturiert in einer geteilten Tabelle.
- Lehrende geben prozessbegleitendes Feedback über Kommentare statt nur am Endprodukt.
Beispiele für Werkzeuge
- Microsoft Word – gemeinsames Schreiben mit Kommentar- und Versionsfunktion
- Google Docs – kollaborative Texte in Echtzeit
- Microsoft OneNote – gemeinsame Notizbücher und Lernjournale
- Microsoft Excel / Google Sheets – strukturierte Datensammlungen
- OnlyOffice – kollaborative Dokumente in datenschutzsensiblen Umgebungen
Didaktischer Hinweis
Solche Tools fördern Transparenz, wenn klar ist, was individuell und was gemeinsam bewertet wird.
Synchrone Kommunikation und Interaktion
Didaktische Funktion
- Direkte Interaktion und Beziehungsgestaltung
- Klärung komplexer Fragen
- Moderation von Gruppenprozessen
Typische Einsatzbereiche
- Online-Sitzungen
- Projektbesprechungen
- Präsentationen
Konkrete Beispiele
- Kick-off-Sitzung zur Klärung von Zielen, Erwartungen und Rollen.
- Gruppenarbeit in Breakout-Räumen mit klaren Arbeitsaufträgen.
- Zwischenpräsentationen mit mündlichem Feedback.
- Gemeinsame Diskussion eines Fallbeispiels.
- Kurze Sprechstunden zur individuellen Lernbegleitung.
Beispiele für Werkzeuge
- Zoom – Online-Meetings, Breakout-Räume
- Microsoft Teams – Meetings, Chat, Dateien
- Webex – strukturierte Online-Sitzungen
- BigBlueButton – häufig in LMS integriert
- Jitsi – einfache, datensparsame Meetings
Didaktischer Hinweis
Synchrone Zeit ist wertvoll – sie sollte für Interaktion, nicht für reine Inhaltsvermittlung genutzt werden.
Interaktive Lernmedien und spielerische Elemente
Didaktische Funktion
- Selbstständige Erarbeitung
- Übung und Wiederholung
- Lernstandsüberprüfung
- Motivation
Typische Einsatzbereiche
- Asynchrone Selbstlernphasen
- Vertiefung und Wiederholung
- Prüfungsvorbereitung
Konkrete Beispiele
- Interaktive Lernmodule mit eingebetteten Verständnisfragen.
- Selbsttests mit direktem Feedback zur Lernstandskontrolle.
- Kurze Quizformate zur Wiederholung zentraler Begriffe.
- Entscheidungsaufgaben mit Rückmeldung zu typischen Fehlern.
- Spielerische Aktivierung am Beginn oder Ende einer Lerneinheit.
Beispiele für Werkzeuge
- H5P – interaktive Videos, Tests, Drag-and-Drop
- Kahoot – Quiz und spielerische Aktivierung
- LearningApps – einfache Übungsformate
Didaktischer Hinweis
Spielerische Elemente sind besonders wirksam, wenn sie klar an Lernziele gekoppelt sind.