Ein weiterer wichtiger Aspekt von Lernbegleitung ist die Förderung von Austausch und Zusammenarbeit unter den Lernenden.
Speziell für Gruppenarbeiten hat sich die sog. «Gruppenarbeit nach Drehbuch» (Peer Facilitated Learning – PFL) bewährt. Diese Methode kann sowohl in synchronen Präsenzterminen als auch in asynchronen Phasen eingesetzt werden. Sie steht exemplarisch dafür, dass auch Gruppenarbeiten strukturiert und begleitet werden müssen, denn Gruppenarbeit ist nur dann sinnvoll, wenn sie für alle Beteiligten zu einem erkennbaren «Mehrwert» (z. B. durch verschiedene Perspektiven, unterschiedliche Kompetenzen und Ideenvielfalt) führt.
Die Methode hat Ib Ravn (assoc. Prof., University Copenhagen; Ravn, 2007; vgl. auch Fröhlich, 2012) entwickelt. Seine Hypothese war, dass Menschen gerne mit anderen zusammenarbeiten wollen, wenn die Zusammenarbeit zielführend ist und mehr Energie gibt als kostet. Seine zentrale Frage war also: Wie kann Zusammenarbeit verbessert werden?
Dazu soll die Gruppenarbeit strukturiert ablaufen. Ein sog. Facilitator aus dem Kreis der Gruppenmitglieder soll die Gruppe leiten, damit diese gemeinsam produktiv arbeiten und ihre vielfältigen Stärken und Ressourcen sichtbar und nutzbar werden. Diese Steuerung der Zusammenarbeit erfolgt anhand eines Drehbuchs, welches du als Lehrende:r vorbereitest.
Hier findest Du ein Beispiel-Drehbuch zum Thema «Lernen von Erwachsenen»:
Beispiel-Drehbuch für eine asynchrone Arbeitsphase
Wie lernen Erwachsene?
Austausch mit der Methode des Peer Facilitated Learning (PFL)
Gruppenarbeit nach Drehbuch
Eine Fragestellung mit ___ Personen bearbeiten (Gesamtdauer: 36 min)
Aufgaben des Facilitators
- eröffnet das Gespräch (Ziel, Zeitrahmen),
- sorgt dafür, dass sich jeder gleichermassen beteiligen kann,
- regt die Entscheidungsfindung an,
- interveniert, wenn das Gespräch abdriftet,
- sichert das Ergebnis und beendet das Gespräch.
Zeit
Arbeitsschritte
1 Min.
Das Gespräch eröffnen: Thema nennen, Zeitrahmen nennen.
Thema: Wie lernen Erwachsene? – Und was hilft uns das für den Umgang mit Herausforderungen beim Lernen in der Lehrpersonenausbildung?
8 Min.
Einzelarbeit: Jede:r überlegt zunächst für sich anhand folgender Fragen unter Berücksichtigung der vorbereiteten Texte:
Was sind die Besonderheiten des Lernens von Erwachsenen?
Was heisst das für das Lernen meiner Studierenden?
Was bedeutet das für die Lehre in der Lehrpersonenausbildung?
8 Min.
Moderierte Runde: Hören, was sich jede:r überlegt hat.
10 Min.
Gruppe unterstützen, ein Gespräch zu führen, das entspannt und zugleich fokussiert ist:
Wie können wir Lernprozesse in der Lehrpersonenausbildung insbesondere hinsichtlich der gesammelten Herausforderungen lernförderlich gestalten?
8 Min.
Das Ergebnis der Gruppendiskussion sichern:
Zusammentragen der wichtigsten Aspekte auf Flip Chart. Entscheiden, wer die Ergebnisse in der nächsten Sitzung/im Plenum vorstellt.
1 Min.
Gespräch beenden: ggf. Debriefing zum Ablauf; bei mehreren Gruppen Ergebnispräsentation und -diskussion
Zum Überlegen
Du hast eine Aufgabe gefunden, die sich für eine solche Gruppenarbeit anbietet? Dann schreibe dein eigenes Drehbuch:
- Gib einen klaren und realistischen Zeitrahmen vor!
- Eröffnung und Abschluss sind feste Bestandteile.
- Struktur ja – Überregulierung nein!
- Formuliere kurz, prägnant, handlungsanleitend! (max. ½ DIN-A4-Seite)
- Nutze nicht mehr als 4 bis 7 Arbeitsschritte.
Du kannst deine Studierenden auch dazu anregen, sich gegenseitig Peer-Feedback (vgl. Hercher, 2025). Dies erfordert, ähnlich wie gute Gruppenarbeiten eine gewisse Vorbereitung. Du kannst hier z. B. mit den Studierenden gemeinsam Feedbackkriterien erarbeiten und auch den Ablauf und «Regeln» für das Geben und Nehmen von Feedback vereinbaren.
Auch Anregungen zur Selbsteinschätzung des eigenen Lernfortschritts bei den Studierenden können sinnvoll sein. Dies erfolgt häufig über Reflexionsaufgaben, die z. B. gut in einem Lernportfolio dokumentiert werden können. Lernportfolios, die auch als E-Portfolio geführt werden können, eignen sich sehr gut dazu, Studierende dazu anzuregen, ihr eigenes Lernen zu begleiten. Sie können hier bearbeitete inhaltliche Aufgaben sammeln (Was habe ich gelernt?) und parallel dazu Überlegungen notieren, wie sie dabei vorgegangen sind (Wie habe ich gelernt?) und wo sie stehen (Standortbestimmung).
An manchen Hochschulen gibt es auch institutionalisierte Einrichtungen, die den Peer Support unter Studierenden unterstützen. Dies reicht von fachbezogenen Tutorien, die von Studierenden durchgeführt werden, bis hin zu speziellen Beratungseinrichtungen, in denen Studierende sich hinsichtlich Themen wie Lerntechniken, wissenschaftliches Schreiben oder auch zur Organisation von Lerngruppen von Peers auf Augenhöhe beraten lassen können.