Gute Lernbegleitung wird auch durch «Feedback in alle Richtungen» unterstützt (vgl. Bild unten):
Damit ist zunächst gemeint, dass Lehrende Studierenden regelmässig Rückmeldungen geben. Für eine gute Lernbegleitung ist hier das formative Feedback während des Lernprozesses auf Lernfortschritte – noch ohne Leistungsbeurteilung – im Sinne eines Feedforwards von zentraler Bedeutung (vgl. Dainton, 2025).
Als Grundregel kannst Du hier auf das FIDeLity-Feedback nach Dee Fink (2013, S. 106) zurückgreifen. Es ist ein Feedback, das:
- häufig (frequent),
- zeitnah (immediate),
- klar-differenziert (discriminating) und
- wertschätzend (loving)
gegeben wird – mit dem Ziel, Lernprozesse zu fördern und Studierende aktiv beim Erreichen signifikanter Lernergebnisse zu unterstützen.
Auch die formale Bewertung der Lernleistungen von Studierenden anhand von (benoteten) Leistungsnachweisen gibt ihnen bei guter Gestaltung Rückmeldung auf ihren Lernfortschritt und kann im Idealfall als Lerngelegenheit genutzt werden (vgl. Zimmermann, 2024).
Zu einer ausgewogenen Lernbegleitung gehört es jedoch auch, dass du dir als Lehrende:r regelmässig Feedback von den Studierenden einholst. Dies erfolgt häufig durch klassische Fragebogenevaluationen am Ende von Lehrveranstaltungen, die von zentralen Evaluationsstellen an Hochschulen durchgeführt werden. Ihr Nutzen ist gelegentlich umstritten. Dennoch kannst du aus diesen Ergebnissen Anregungen für deine nächste Veranstaltung generieren. Falls möglich, ist es hilfreich diese Ergebnisse mit den Studierenden zu diskutieren, um z. B. auch Fragen zu klären. Die Ergebnisse können auch mit Kolleg:innen oder Beratungseinrichtungen an deiner Hochschule besprochen werden.

Besonders wichtig ist es jedoch, dass du dir bereits während der Veranstaltung Feedback von den Studierenden einholst. Hier kannst Du das Gespräch suchen, eigene Fragen stellen – auch über digitale Tools wie Mentimeter oder Wooclap. Der Vorteil ist, dass du hier sehr gezielt danach fragen kannst, was dich gerade bzgl. deiner Veranstaltung beschäftigt. Häufig wird diese Vorgehensweise auch «Selbstevaluation» genannt, weil du selbst die Evaluation durchführst.
Classroom Assessment Techniques (CATs)
Classroom Assessment Techniques (CATs vgl. Angelo & Zakrajsek, 2024) helfen Lehrenden dabei, im Verlauf eines Kurses einfaches, formatives Feedback von Studierenden zu deren Lernstand zu erhalten.
Sie bestehen aus kurzen, niedrigschwelligen Aktivitäten während der Veranstaltung und liefern unmittelbare Hinweise darauf, was Studierende verstanden haben, wo es Missverständnisse gibt oder wie engagiert sie sind.
Da CATs schnell, unkompliziert und ohne Noten einsetzbar sind, ermöglichen sie es dir, den Lernprozess der Studierenden gezielt zu unterstützen.
CATs können auf verschiedene Weise eingesetzt werden – etwa zur Verständnissicherung, zur Aufdeckung von Fehlkonzepten oder zur Förderung von Reflexion und Transfer:
- Background Knowledge Probe
Kurze Fragen zu Beginn, um das Vorwissen und mögliche Fehlvorstellungen der Studierenden zu erfassen. - Misconception Check
Zielgerichtete Fragen, die typische Missverständnisse sichtbar machen. - One‑Sentence Summary
Studierende fassen Inhalte in einem Satz zusammen („Wer tut was, wann, wo, warum?“) und zeigen so ihr Verständnis. - 3‑2‑1‑Methode
Drei Erkenntnisse, zwei geplante Anwendungen, ein offenes Lerninteresse – fördert Reflexion und Transfer. - 5‑Finger‑Methode
Kurze Rückmeldung zu gut Gefallenem, neuen Einsichten, Kritikpunkten, persönlicher Wirkung und offenen Wünschen.
Studierende können auch eigene Prüfungsfragen mit Musterlösungen erstellen. Das liefert der Lehrperson wertvolles Feedback und stärkt zugleich die metakognitiven Fähigkeiten der Studierenden.
CATs lassen sich analog oder digital einsetzen – z. B. über Mentimeter, Padlet/TaskCards, MIRO oder Lernplattformen wie Moodle/ILIAS. Besonders in grossen Gruppen ermöglichen sie eine einfache und systematische Erfassung von Rückmeldungen.
Sehr gut handhabbare Übersichten über CATs finden sich bei den Teaching Tools der Universität Zürich sowie im Lehreladen der Universität Bochum.
Beispiel Lea
Leas Studierende überarbeiten einen Unterrichtsentwurf für die Volksschule. Bevor sie ihre endgültige Fassung einreichen, erhalten sie Rückmeldungen zu einem Zwischenstand.
Lea kommentiert ausgewählte Stellen im digitalen Dokument. Sie benennt, was bereits schlüssig ist, weist auf Unklarheiten hin und formuliert konkrete Hinweise für die Weiterarbeit. Ihre Rückmeldungen erfolgen zeitnah, klar und wertschätzend. Im Zentrum steht nicht die Bewertung, sondern die Frage, wie die Studierenden ihren Entwurf weiterentwickeln können.
Zusätzlich geben sich die Studierenden anhand vereinbarter Kriterien gegenseitig Peer Feedback. Sie prüfen insbesondere, ob Lernziele, Lernaktivitäten und Lernorganisation aufeinander abgestimmt sind.
Auch Lea holt während der Lehrveranstaltung Rückmeldung ein. Am Ende einer Arbeitsphase nutzt sie die 3 2 1 Methode:
3 zentrale Erkenntnisse
2 Punkte, die noch unklar sind
1 Wunsch für die weitere Unterstützung
Anhand der Antworten erkennt Lea, welche Inhalte verstanden wurden und wo noch Klärungsbedarf besteht. Sie greift häufig genannte Fragen in der nächsten Veranstaltung auf und passt ihre Lernbegleitung bei Bedarf an.
So wird Feedback in verschiedene Richtungen genutzt: von Lea an die Studierenden, unter den Studierenden sowie von den Studierenden an Lea.

Zum Überlegen
- Wann und wie kann ich meinen Studierenden Feedback im Laufe ihres Lernprozesses geben? Was ist sinnvoll?
- Wie kann ich mir selbst Feedback von den Studierenden im Laufe meiner Veranstaltung einholen? Was passt für meine Lehrveranstaltung?
Notiere gegebenenfalls Stichworte, damit du mit jemandem diskutieren kannst.