Studierende lernen nachhaltiger und erinnern sich besser, wenn sie Wissen und Fertigkeiten aktiv statt passiv erwerben. Studierende lernen nachhaltiger und erinnern sich besser, wenn sie Wissen und Fertigkeiten aktiv statt passiv erwerben. Nachhaltige Lernaktivitäten ermöglichen es ihnen, Wissen anzuwenden, eigene Erfahrungen zu sammeln sowie Beobachtungen gemeinsam zu reflektieren.
Das ICAP-Rahmenmodell von Chi und Wiley beschreibt vier Qualitätsstufen von Lernaktivitäten. Der Lernerfolg steigt dabei mit der Intensität der Auseinandersetzung:
Qualitätsstufe
Lernaktivität
Beispiel mit Videos
1. passiv
Inhalte aufnehmen, ohne selbst tätig zu werden
Ein Video oder eine vertonte Präsentation anschauen
2. aktiv
Inhalte gezielt bearbeiten
Video pausieren, zurückspulen, Notizen machen, Fragen beantworten
3. konstruktiv
Neues Wissen eigenständig entwickeln
Zusammenfassungen oder Concept Maps erstellen, gezeigte Handlungen nachmachen, Videos analysieren
4. interaktiv
Gemeinsam Wissen erweitern und anwenden
Inhalte mit anderen diskutieren, Unterschiede herausarbeiten, Fragen entwickeln, Erklärvideos produzieren, Feedback einarbeiten
Das Modell verdeutlicht, dass Lernaktivitäten umso wirksamer sind, je stärker Studierende selbst tätig werden und ihr Wissen gemeinsam weiterentwickeln.
Lernaktivitäten planen
Bei der Konzeption asynchroner Lernaktivitäten lohnt sich Vielfalt. Kombiniere rezeptive Elemente wie Lesen, Zuhören oder Zusehen mit aktiven Aufgaben, bei denen gesprochen, geschrieben oder produziert wird. Wechsle bewusst die Sozialformen zwischen individuellem Arbeiten, Kollaboration, Peer-Feedback und Rückmeldungen durch die Kursleitung.
Aufgaben klar und offen gestalten
Lernaufgaben sollen inhaltlich passen und genügend Gestaltungsspielraum lassen. Vermeide zu kleinschrittige Vorgaben und Kontrolle, formuliere die Arbeitsaufträge dennoch präzise. Strukturiere bei Bedarf mit Meilensteinen und biete begleitendes Coaching an.
Workload und Betreuung realistisch planen
Schätze den Aufwand für Studierende und Lehrperson realistisch ein. Lege transparent fest, wie, wo und wann du erreichbar bist und in welchem Umfang du Feedback gibst. Die Betreuung kann im Verlauf der Sequenz schrittweise reduziert werden.
Verständlichkeit sichern, besonders asynchron
Formuliere Aufgaben eindeutig, da nonverbale Rückmeldungen fehlen. Auch in Blended-Learning-Settings, in denen Aufgaben mündlich erläutert wurden, stelle die schriftliche Aufgabenstellung online nochmals klar bereit.
Zur Vertiefung
- Arbeitsaufwand der Studierenden einschätzen: Workload Estimator der Wake Forest University
- Passende Lehrmethoden finden: Methodenkompass der Universität Bern
- Didaktische Methoden und Anregungen entdecken: Teaching Tools der Universität Zürich
Checkliste für Aufgaben
- Klare, eindeutige Formulierung
- Aufgaben immer im gleichen Medium und auf demselben Weg bekannt geben
- Veröffentlichung zu festen Zeiten (zum Beispiel immer am Donnerstag), bei Bedarf auch feste Abgabetermine
- Sozialform angeben: Einzel-, Gruppen- oder Paararbeit (werden Einzelbeiträge sichtbar?)
- Klare Deadline nennen
- Durchschnittlichen Zeitaufwand zur Orientierung angeben
- Einreichungsformat und Medium festlegen, inkl. Länge oder Umfang
- Arbeitsanhänge und Materialien bereitstellen (Leittexte, Links, Lernprogramme, Rechercheaufträge)
- Notwendige Tools benennen und Verfügbarkeit sicherstellen
- Kontaktmöglichkeit für Rückfragen angeben
- Form des Feedbacks und weiteres Vorgehen mit Einreichungen erläutern
- Verbindlichkeit klären: Was passiert bei Nichtabgabe? Ist spätere Abgabe möglich?