Grundsätzlich solltest du jede Lehreinheit im Grossen (gesamte Veranstaltung) wie im Kleinen (einzelne Sitzungen bzw. Lektionen) in Anlehnung an den klassischen didaktischen Dreischritt in drei Hauptphasen unterteilen. Diese sind idealerweise wiederum in drei Abschnitte gegliedert (siehe das sog. «Orangen»-Modell).

Zum einen geht es dabei darum, die Phasen in den analogen und digitalen Präsenzveranstaltungen zu strukturieren und zu gestalten. Möchtest du nicht nur Input liefern, sind auch hier gute und zielführende Aufgabenstellungen sowie z. B. (Peer-) Feedback-Prozesse relevant, um diese Treffen «rund» zu machen.
Es gibt aber immer auch ein «Davor» und ein «Danach». Auch diese Phasen lassen sich gross und klein denken. Die gesamte Lehrveranstaltung hat einen Vorlauf, den du ggf. gestalten kannst. Typisch ist die Phase danach, in der häufig noch (schriftliche) Arbeiten erstellt oder Leistungsnachweise erbracht werden. Es macht jedoch auch Sinn, die Phase davor bei der Planung und Gestaltung mitzudenken.
Auch jede Sitzung bzw. Lektion hat ein Davor und ein Danach und dann häufig auch ein Dazwischen, welches je nach Format gestaltet werden sollte. Häufig wird hierfür auch der Begriff «Selbststudium» im Unterschied zum Begriff «Kontaktstudium» verwendet. Mit zunehmender Digitalität und ihren Möglichkeiten der Gestaltung von Lernumgebungen kommt diesen Selbstlernphasen immer grössere Bedeutung zu.
Diese «Rhythmisierung» von Lern- bzw. Studienaktivitäten kann im sog. «Burgzinnen-Diagramm» verdeutlicht werden:

Anhand dieses Diagramms lässt sich schematisch der Wechsel zwischen synchronen und asynchronen Phasen einer Lehrveranstaltung darstellen. Für eine konkrete Veranstaltung kann das Diagramm jeweils anders aussehen. Du kannst z. B. auch mit einer asynchronen Vorbereitungsphase (im Sinne des Davor für die gesamte Veranstaltung) beginnen. Weiterhin können synchrone und asynchrone Phasen auch unterschiedlich lange Zeitspannen umfassen, wenn die Studierenden z. B. ausserhalb der Präsenzveranstaltungen an Projekten arbeiten und es nur punktuelle Treffen der Arbeitsgruppen mit den Dozierenden oder eine Blockveranstaltung zur Präsentation der Projekte gibt.
Die Bedeutung des Aufgabendesigns zeigt sich insbesondere darin, dass die «Gelenkstellen» (Abb. «Burgzinnen Diagramm») zwischen den asynchronen und synchronen Phasen sorgfältig geplant werden müssen, so dass die Phasen gut aneinander anknüpfen. Die asynchronen Nach- bzw. Vorbereitungsphasen kannst du unterstützen, indem du klare und leistbare Aufgabenstellungen formulierst sowie passende und ansprechende Materialien bereitstellst. In den Präsenzveranstaltungen integrierst du das von den Studierenden erarbeitete Wissen, indem sie es anwenden, überprüfen und sich darüber mit anderen Teilnehmenden austauschen (siehe hierzu das Orangen-Modell oben). Wenn du die geleisteten Lernaktivitäten der Studierenden nicht berücksichtigst, kann dies leicht zu Frustration und Demotivation führen.
Ein sorgfältig ausgearbeitetes Burgzinnen-Diagramm beinhaltet somit Entscheidungen zur Wissensvermittlung, Ergebnissicherung und Anwendung des Gelernten. Es unterstützt die Planung der Gesamtveranstaltung und ihrer thematischen Einheiten – unabhängig von der gewählten Semesterstrategie oder didaktischen Grossform (z. B. Flipped Classroom, Problem- oder Projektbasiertes Lernen, Forschendes Lernen, Team-based Learning, Design Thinking, Lektürekurs). Erst nach Erstellen des Burgzinnen-Diagramms solltest du dich für eine didaktische Grossform entscheiden. Im besten Fall ergibt sie sich aus dem Diagramm. Du kannst aber auch verschiedene Anordnungen der synchronen und asynchronen Phasen ausprobieren und überlegen, welche Semesterstrategie – v.a. unter Berücksichtigung des Kontexts der Lehrveranstaltung – für die Veranstaltung geeignet ist.
Erst aus der gewählten Semesterstrategie ergibt sich, welche Aufgaben für das Selbststudium – und welche Aktivitäten in den Präsenztreffen sinnvoll sind, wie bzw. wo sie den Studierenden (idealerweise schriftlich) bereitgestellt werden und wie die Studierenden dabei begleitet werden.