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Lernzieltaxonomien nutzen

Lernzieltaxonomien helfen Dozierenden, anspruchsvolle Lernziele zu entwickeln. Beliebt sind Taxonomien, die sich wie die sog. Bloomsche Taxonomie (Bloom et al., 1956) in erster Linie auf kognitive Lernziele beziehen.

Bloomsche Lernzieltaxonomie

Revidierte Bloom’sche Taxonomie kognitiver Lernziele mit Verbindung zu Wissensdimensionen (nach Zimmermann, 2024, 147)

Auf Stufe 1 (Erinnern) können die Studierenden zentrale Inhalte (z.B. Begriffe, Theorien, Methoden oder Lernstrategien) korrekt wiedergeben. Wenn sie diese in eigenen Worten erklären, interpretieren, zusammenfassen oder veranschaulichen können, erreichen sie Stufe 2 (Verstehen).

Stufe 3 (Anwenden) zielt darauf ab, Inhalte in neuen Situationen umzusetzen. Werden die Inhalte zerlegt, gewichtet und mit anderen Inhalten in Beziehung gesetzt, arbeiten die Studierenden auf Stufe 4 (Analysieren). Auf Stufe 5 (Beurteilen) nutzen die Studierenden Inhalte, um andere Themen zu bewerten und eigene Urteile zu bilden. Auf Stufe 6 (Gestalten) entwickeln die Studierenden mit dem Gelernten neue Produkte, Konzepte oder Lösungen. Je höher die Taxonomiestufe desto stärker wird eigenständiges Lernen und unabhängiges, kritisches Denken eingefordert.

Diese Gliederung in sechs Stufen wird oft hierarchisch aufgefasst. D.h., dass Studierende eine höhere Stufe erst dann erreichen können, wenn zuvor alle anderen abgearbeitet wurden. Die unteren Stufen sind grundsätzlich wichtig, um zentrale Begriffe und Zusammenhänge sicher zu beherrschen. Sie müssen aber nicht zwingend erfüllt sein, bevor man zur nächsthöheren wechselt. Viele Lerninhalte eignen sich, direkt auf einer anspruchsvollen kognitiven Ebene behandelt zu werden. Hierdurch erarbeiten sich die Studierenden den Stoff an komplexen, möglichst realen Aufgaben und Fragestellungen und behalten dabei den Gesamtzusammenhang im Blick. So muss in der revidierten Fassung dieser Taxonomie (Anderson & Krathwohl, 2001) eine höhere Stufe auch nicht mehr alle Aspekte aus den vorangehenden Stufen beinhalten.

Zusätzlich ergänzen vier Wissensdimensionen diese Stufen und erweitern sie zu einer Matrix: deklaratives (Fakten, Begriffe, Informationen), konzeptionelles (Zusammenhänge, Kategorien, Modelle, Theorien.), prozedurales (Methoden, Techniken, Algorithmen) sowie metakognitives Wissen (Wissen über das eigene Denken, Lernstrategien, Selbstregulation

Weitere Lernzieltaxonomien

SOLO-Taxonomie

SOLO-Taxonomie

Auch Biggs und Collis (1982) haben mit ihrer SOLO-Taxonomie eine vergleichbare kognitive Lernzieltaxonomie entwickelt (vgl. Zimmermann, 2024, 143-146), die jedoch in der deutschsprachigen Hochschuldidaktik selten zum Einsatz kommt. Ihr Ansatz fokussiert auf beobachtbare Evidenzen für die von Studierenden erreichte Tiefe des Verstehens («Structure of Observed Learning Outcome»).

Die SOLO-Taxonomie für kognitive Lernziele nach Biggs & Collis (1982). Abbildung aus Zimmermann (2024, S. 144)

Die Taxonomie umfasst fünf Stufen, die von Unkenntnis bis zu umfassendem Wissen und Können reichen:

  • Unstrukturiert: Lernende haben das Konzept bzw. die zu erlernenden Fähigkeiten noch nicht verstanden oder bewältigt.
  • Unistruktural: Lernende können sich an einzelne Informationen erinnern, sie erkennen aber noch keine Beziehungen zwischen ihnen. Sie besitzen ein oberflächliches Verständnis vom Konzept des Lerninhalts oder der Fertigkeit.
  • Multistruktural: Lernende können mehrere Aspekte eines Konzepts oder einer Fertigkeit identifizieren, beschreiben oder auflisten. Es fehlt noch die Integration bzw. Synthese dieser Informationen zu einem Gesamtbild.
  • Relational: Lernende können bei induktiven Operationen Verbindungen und Beziehungen zwischen verschiedenen Spektren des Stoffes herstellen und Muster darin erkennen. Erst in dieser Stufe sind sie zu Schlussfolgerungen fähig, die auf Beziehungen zwischen den erlernten Elementen des Stoffes gründen.
  • Fortgeschrittene Abstraktion: Lernende leisten sowohl induktive als auch deduktive Denkoperationen, indem sie das erworbene Wissen auf neue Kontexte übertragen und es in neuer bzw. kreativer Weise anwenden. Sie zeigen ein hohes Maß an Selbständigkeit und Unabhängigkeit bei der Bearbeitung von Aufgaben.

Eine sehr unterhaltsame Einführung in die SOLO-Taxonomie findet sich in dem preisgekrönten Kurzfilm «Teaching Teaching and Understanding Understanding» von Claus Brabrand (siehe Akkordeon).

Video Teaching Teaching & Understanding Understanding
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Kognitive Taxonomien helfen, anspruchsvolle Lernziele hinsichtlich des tiefen Verständnisses von Fachwissen zu formulieren und den Studierenden in angemessenen Handlungsoptionen zu vermitteln. Sie bieten den Lehrenden bei der Lernzielformulierung Übersichtlichkeit und machen angestrebte Lernergebnisse (z. B. in Prüfungen) vergleichbar. Im Hinblick auf eine umfassende Lehrplanung, die nicht nur ein Kennen und Verstehen der Inhalte anstrebt, sondern auch zur Entwicklung einer fachlich wie sozial gereiften Fachperson im Beruf beitragen möchte, bedarf es jedoch weiterer Lernzielaspekte.

Sechs Dimensionen des Lernens: das Lernzielrad

Sechs Dimensionen des Lernens: das Lernzielrad

Solche weiterführenden Aspekte werden im Lernzielrad von L. Dee Fink (2013) berücksichtigt. Hier decken die kognitiven Lernzielaspekte nur drei Dimensionen (Fachwissen, Anwendung und Verknüpfung) ab. Reichhaltiges Lernen muss jedoch auch affektive und psychosoziale Ziele berücksichtigen, wie sie in diesem Modell ebenfalls angesprochen werden. Die Dimensionen dienen als konkretes Hilfsmittel und Ideengeber zur Planung von Lehrveranstaltungen und sind nicht hierarchisch aufgebaut. Die sechs Dimensionen werden daher in einem Kreis dargestellt. Jede Dimension beeinflusst und stimuliert bzw. verstärkt jeweils die anderen.

Die sechs Lernzieldimensionen nach Fink (2013, S. 35). In der deutschen Adaption (Fink, 2003) wird «Caring» mit «Werte» übersetzt; dies gibt jedoch die Bedeutung dieser Dimension nicht genau wieder. Daher wird hier der originale Begriff Caring ergänzt.

Die drei Dimensionen auf der rechten Seite im Lernzielrad sind primär kognitiv ausgerichtet:

  • «Fachwissen» umfasst zentrale Inhalte und Fähigkeiten, die Studierende benötigen, um Themen sicher zu bearbeiten. Eine gezielte Stoffreduktion durch die Lehrperson hilft, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und das Verständnis zu fördern.
  • «Anwendung» verlangt von den Studierenden, ihr Wissen kritisch, kreativ und praktisch in komplexen (auch realen) Aufgaben einzusetzen.
  • «Verknüpfung» beschreibt die Fähigkeit, Zusammenhänge zwischen Lehrinhalten sowie deren Bezüge zu anderen Fachgebieten oder zur eigenen Lebenswelt zu erkennen.

Auf der linken Seite sind die primär sozial-affektiven Dimensionen dargestellt:

  • Die «Menschliche Dimension» veranschaulicht, was die Studierenden über sich selbst und ihre Einstellungen gegenüber den Kommiliton:innen lernen und wie sie mit anderen interagieren.
  • «Werte/Caring» beschreibt, wie sich die Studierenden in ihrer Werthaltung entwickeln, wie sie eine professionelle und menschliche Rolle im Leben, im Studium und im Beruf einnehmen und dabei die Themengebiete, Fähigkeiten und Fragestellungen ihres Faches kritisch wertschätzen.
  • Bei «Lernen wie man lernt» lernen die Studierenden auf der Metaebene, ihr eigenes Lernverhalten zu reflektieren und weiterzuentwickeln, um es in Zukunft für das eigene Leben, Studieren und Arbeiten kontinuierlich zu verbessern.