Audiodeskription und Audioeinführung – digibasics
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Prototyp zur Erprobung

Audiodeskription und Audioeinführung

Worum geht es?

Audiodeskription (hier abgekürzt mit «AD») ist die akustische Beschreibung von visuellen Inhalten. Sie wird z. B. in Filmen eingesetzt, um die gezeigten Szenen für Personen zu beschreiben, die diese nicht sehen können. Audiodeskription wird also vornehmlich von Menschen mit einer Sehbehinderung genutzt und kann z. B. im Fernsehen gezielt zu- oder abgeschaltet werden. Die zusätzlichen Informationen, die per Audiodeskription vermittelt werden, werden in der Regel in die Sprechpausen der Schauspieler eingefügt. So können Nutzer:innen der Audiodeskription auch die sonstigen Dialoge in vollem Umfang hören. Es gibt allerdings unterschiedliche Auffassungen dazu, wie eine Audiodeskription gestaltet sein sollte. Generell kann man zwischen deskriptiver und interpretativer AD unterscheiden, mehr dazu weiter unten.

Bei der Auswahl der Informationen, die in eine Audiodeskription aufgenommen werden sollten, kommt es auf den Kontext und das Ziel des Films an. Dies ist eine Gemeinsamkeit mit z. B. Alternativtexten für Bilder. Geht es beispielsweise um die Audiodeskription für eine Kochshow, muss die Beschreibung der im Video gezeigten Küchenutensilien viel detaillierter ausfallen, als wenn in einem Spielfilm eine Szene mehr oder weniger zufällig in einer Küche spielt.

Übrigens: In diesem Lernmodul wird meist von AD bei Filmen und Videos gesprochen. Allerdings werden Audiodeskriptionen nicht nur bei Filmen eingesetzt. Audiodeskriptionen können beispielsweise auch bei Sportveranstaltungen oder in Museen zum Einsatz kommen. Ein Beispiel für eine Audiodeskription in Schweizer Mundart und weitere Informationen zu Audiodeskription und Audioeinführung zeigt die Angewandte Linguistik der ZHAW.

Deskriptive Audiodeskription

Als deutschsprachige, theoretische Grundlage zur deskriptiven AD wird häufig die Dissertation von Benecke (2014) herangezogen: «Audiodeskription als partielle Translation. Modell und Methode». Das darin aufgestellte Regelwerk beschreibt detailliert, was bei der Erstellung einer Audiodeskription berücksichtigt werden sollte. Die genauen Inhalte führen an dieser Stelle zu weit, wesentliche Punkte sind:

  • Es wird neutral das beschrieben, was im Film gezeigt wird. Die Audiodeskription liefert AD-Hörenden darüber hinaus keine Informationen wie z. B. eine Interpretation, wie die gezeigte Szene auf Sehende vermutlich wirkt.
  • Die Audiodeskription wird ausschliesslich in die sowieso bestehenden Gesprächslücken des Films eingeschoben, sodass Hörende der AD den Originalton vollumfänglich mitbekommen und der Film nicht verändert wird.

Dieses Vorgehen führt dazu, dass deskriptive AD, im Vergleich zur weiter unten beschriebenen interpretativen AD, meist mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Die Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverbände haben 2017 eine Charta der Audiodeskription veröffentlicht. Diese Charta orientiert sich beispielsweise am deskriptiven Ansatz. 

Interpretative Audiodeskription

Diese Form der Audiodeskription, auch narrative oder subjektive Audiodeskription genannt, bietet im Vergleich zur deskriptiven AD wesentlich mehr Gestaltungsspielraum. Kernunterschied ist, wie der Name schon sagt, dass die Audiodeskription bereits Interpretationen der visuellen Information mitliefert. 

Zudem ist es bei interpretativer AD legitim, den Originalton zu übersprechen oder sogar den Film anzuhalten, um eine etwas längere AD dazwischenbauen zu können.

Audioeinführung

Neben der Audiodeskription gibt es noch eine sogenannte Audioeinführung. Eine Audioeinführung wird dem beschriebenen Film vorgeschaltet, d. h. die Hörenden bekommen vorab einige Informationen, die es ihnen erleichtern sollen, den sich anschliessenden Film zu verstehen.

Die ZHAW Winterthur hat dazu ein Beispiel für eine Audioeinführung zu einem Video über Leichte Sprache erstellt.

Audiodeskription «Beispiel für eine Audioeinführung»

Dies ist eine Audioeinführung zum Video Leichte Sprache des Sozialverbands VDK Deutschland. Gesprochen von Marcel Lawaskes am 14. April 2014. Sinn und Zweck dieser Einführung ist, Ihnen einen kurzen Überblick über die Inhalte des Videos zu vermitteln. Über die ganze Laufzeit hinweg wird eine männliche Stimme das Video kommentieren und die Beiträge diverser Personen einleiten.

Der erste Beitrag ist von Ricarda Kluge, eine Übersetzerin für Leichte Sprache. Sie wird nicht nur erklären was unter Leichte Sprache zu verstehen ist, sondern auch woher der Bedarf nach Leichte Sprache entspringt und weshalb Leichte Sprache wichtig ist.

Anschliessend folgt der Beitrag von Anita Kündel. Sie ist Mitglied des Netzwerks People First Deutschland und ist auch als Prüferin für Leichte Sprache tätig. Mehr zum Netzwerk People First Deutschland finden Sie unter www.people1.de. Ausgeschrieben: w-w-w.p-e-o-p-l-e-1.de.

Bei einer Übersetzung eines Textes in Leichte Sprache arbeiten Übersetzer und Übersetzerinnen mit betroffenen Menschen, sogenannten Prüfern, zusammen. Das Video enthält einen Ausschnitt, der zeigt, wie Ricarda Kluge und Anita Kündel prüfen, ob eine Übersetzung auch wirklich verständlich ist.

Das Siegel für Leichte Sprache besteht aus mehreren ikonischen Zeichen. Ein offenes Buch mit einem Daumen hoch Zeichen der linken Buchseite und auf der anderen, mehrere Linien, die einen Text darstellen sollen. Hinter dem Buch blickt eine lächelndes Smiley Gesicht hervor. Nur Texte, die von zwei Prüfern wirklich verstanden wurden, erhalten dieses Siegel.

Mehr Infos zu Leichte Sprache finden Sie unter www.leichtesprache.org.