A2 | Modell der drei Wirklichkeiten – digibasics
Version 1.0
Prototyp zur Erprobung

A2 | Modell der drei Wirklichkeiten

Wenn wir etwas in der Zeitung lesen, in den News der Fernsehprogramme anschauen, bei Social Media sehen oder als Podcast anhören, steht immer eine einzelne Person oder ein Redaktionsteam hinter diesem Beitrag. Wie gehen diese eigentlich vor? Mit Blick auf die Gesamtheit aller Weltereignisse können Medienschaffende nicht über alles berichten, was auf der Welt geschieht.

Daher werden berichtenswerte Aspekte ausgewählt, andere weggelassen und gegebenenfalls Bilder und Töne aufbereitet, die den Beitrag und damit die inhaltliche Aussage mitgestalten. Ein Bericht in den Medien ist immer eine selektive Zusammenstellung aus der grossen Auswahl der sinnlich erfahrbaren Welt und ist dadurch eine medial aufbereitete Auswahl – auch «mediale Wirklichkeit» genannt.

Der Schweizer Medienpädagoge Christian Doelker unterscheidet deshalb zwischen der «primären Wirklichkeit» (W1), also dem, was tatsächlich auf der Welt geschieht, und der «medialen Wirklichkeit» (W2), die jeweils nur einen kleinen, ausgewählten Teil des Weltgeschehens aus einer bestimmten Perspektive präsentiert. Die W3 meint schliesslich unser Bild, das wir uns von der Welt machen. Dieses Bild ist nur zu einem kleinen Teil durch Begegnungen mit der W1 geprägt. Das meiste, was wir über die W1 zu wissen glauben, wissen wir nur durch mediale Vermittlung.  

Von vielen Ereignissen erfahren wir über die Medien – wir lesen also medial aufbereitete Berichte. Mit ihnen können wir uns informieren, erfahren, was in der Welt passiert. Qualitätsjournalismus hilft uns, auch komplizierte Sachverhalte zu verstehen und hinter die Kulissen zu blicken. Qualitätsvolle Medienberichterstattung ermöglicht uns, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und zu begleiten, und regt uns zum Nachdenken an. Dies hilft uns, eine begründete Meinung zu gesellschaftlichen und politischen Fragen zu finden und uns für positive gesellschaftliche Entwicklungen zu engagieren. Immer müssen wir uns aber bewusst sein: Selbst eine Dokumentarsendung oder eine hochwertige Reportage vermittelt nicht direkt Realität, sondern immer einen selektiven Ausschnitt. 

Aufgabe

Nimm dir ein paar Minuten Zeit und überlege dir, welche Aufgaben du den Medien zuschreiben würdest. Notiere dir die Aufgaben und überprüfe deine Überlegungen mit den Funktionen von Medien, die Christian Doelker (2005) formuliert hat.

Funktionen von Medien nach Doelker (2005)
  • Medien haben die Aufgabe, Sachverhalte zu erklären und sie dadurch für alle verständlich zu machen. Sie sorgen somit für Transparenz
  • Zur Aufgabe der Medien gehört die kritische Begleitung von politischen und gesellschaftlichen Prozessen und auf Mängel und Fehler hinzuweisen
  • Falls sie Anzeichen von undemokratischen oder antidemokratischen Aktivitäten in der Gesellschaft bemerken, sollten sie diese aufdecken.
  • Medien sollen Anregungen für innovative Ideen liefern und die Vorstellungskraft der Bürger:innen animieren, sich für Modelle und Szenarien der Zukunft zu engagieren. 
  • Es gehört zur Aufgabe der Medien, die politisch Machttragenden zu kontrollieren.
  • Es ist Aufgabe der Medien, Themen zu setzen (Siehe A4 | Agenda Setting).