B5 | Medien zur Identitätsbildung (oder Mediensozialisation?) – digibasics
Version 1.0
Prototyp zur Erprobung

B5 | Medien zur Identitätsbildung (oder Mediensozialisation?)

Medien sind in allen Altersphasen präsent. Wir nutzen sie im Alltag aufgrund von verschiedenen Interessen und Bedürfnissen. So können wir uns beispielsweise mithilfe eines Berichtes informieren, einem Lernvideo eine Erklärung entnehmen, uns dazu inspirieren lassen, etwas Neues zu probieren, oder unseren vielfältigen Alltag organisieren. Weshalb Menschen Medien nutzen, kann unterschiedliche Gründe und auch Auswirkungen haben:

  • Strukturierung des Alltags
  • Emotionale und soziale Aspekte/Bedürfnisse
  • Entwicklungsaufgaben bewältigen
Transkript

Strukturierung des Alltags:

  • Manches Mal dient die Mediennutzung auch der Strukturierung des Alltags mit Gewohnheiten und Familienritualen – im Schönen wie auch in problematischer Hinsicht.

Emotionale und soziale Aspekte:

  • Sehr ausgeprägt werden Medien auch genutzt, um die eigene Stimmung zu beeinflussen (sogenanntes Mood Management). Dazu gehört beispielsweise das Musikhören.
  • Auch emotionale Aspekte wie das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Vertrautheit spielen bei unserer Mediennutzung eine Rolle. So können wir durch das Betrachten von Fotos auf dem Handy schöne Erinnerungen aufleben lassen …
  • … oder uns über Chat unseren Freund:innen und Verwandten nahe fühlen. Oft setzen wir – und gerade auch Kinder und Jugendliche – Medien ein, um uns sozial integriert zu fühlen.
  • Medien können hier zum einen als Werkzeuge dienen, mithilfe derer ich Kontakt aufnehme und Beziehungen pflege, zum anderen können durch Medien gemeinsame Erlebnisse und Gesprächsanlässe geschaffen werden …
  • … zum Beispiel: Zusammen Lieblings-Soap oder Fussball schauen, Gespräche auf dem Pausenplatz über Gesehenes oder neueste Games etc.
  • Hier steht vor allem der soziale Aspekt im Vordergrund: das Gefühl, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und mitreden zu können.  

Entwicklungsaufgaben bewältigen:

  • Medien können auch dabei helfen, Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. In jeder Altersphase des Lebens gibt es unterschiedliche Themen, die uns beschäftigen, und einige Herausforderungen, die wir meistern müssen.
  • Sei es, sich bei der Einschulung in der neuen Institution zurechtzufinden und seinen Platz in der Gruppe zu finden, unabhängiger zu werden oder sich mit den Veränderungen des eigenen Körpers zu beschäftigen etc.
  • Hier können Medien mit ihren Figuren und Geschichten Orientierung und Projektionsflächen bieten, alternative Sichtweisen aufzeigen und Handlungsoptionen liefern. 
  • Medien dienen hier vor allem als Symbole beziehungsweise als Folie, mithilfe derer die eigenen Entwicklungsthemen bearbeitet werden können.
  • Auch Fragen der Identitätsentwicklung können zum Beispiel anhand des Vergleichs mit Medienheld:innen bearbeitet werden. Sie können hilfreichen Ansporn bieten,
  • gleichzeitig jedoch auch durch Vergleiche mit dem eigenen Leben (der körperlichen Attraktivität und «Sexyness» oder Beliebtheit) das Gefühl des «Nichtgenügens» verstärken oder stereotype Rollenvorstellungen bestätigen.  

Aufgabe

Welche Eigenschaften würdest du den folgenden Medienfiguren zuordnen?

  • Notiere dir zu jeder Medienfigur mindestens drei Eigenschaften.
  • Überlege dir in einem zweiten Schritt, welche positiven Einflüsse diese Eigenschaften auf die Entwicklung eines Kindes haben können.

Handlungsleitende Themen

Der deutsche Erziehungswissenschaftler Ben Bachmair fand heraus, dass besonders Kinder die Medien nutzen, um eigene sogenannte «handlungsleitende Themen» zu bearbeiten. Sie verwenden die Inhalte (Symbole) der Medien, um sich mit individuellen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. So kann eine Medienfigur zu einem Liebling von Kindern werden, weil sich ihre Geschichte um Themen und Erlebnisse dreht, mit denen sich die Kinder ebenfalls auseinandersetzen (z. B. Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern, selbstständig werden …). Oder ein Superheld kann einem Kind in einer schwierigen Lebenssituation ein Gefühl von Zuversicht ermöglichen. Gerade Kinder suchen ihre Fragen und Themen in Medienangeboten, brechen einzelne Elemente dort heraus und bauen sie individuell in ihre Lebensbewältigung ein.  

Deshalb ist es als Lehrperson wichtig, den Kindern Raum zu geben, über ihre Medienerlebnisse zu sprechen, diese in ihr Spiel oder ihre kreative Arbeit mit einzubauen oder sich selbst mithilfe von Medien auszudrücken. Wenn du als Lehrperson genau beobachtest, was die Kinder und Jugendlichen über ihre Medienerlebnisse (sei es aus Filmen, Büchern, von Influencern oder scheinbar trashigen Medienangeboten) erzählen, erfährst du auch viel darüber, was sie persönlich beschäftigt, was ihre Fragen an das Leben sind, wo sie für sich tolle Wege gefunden haben oder an welchem Punkt du dabei unterstützen kannst, bestimmte Medienerfahrungen einzuordnen und zu verarbeiten.