Levin ist bereit zu suchen – aber wie? Er sitzt mit seiner Begriffsliste vor dem Computer und hat mehrere Tabs offen: Swisscovery, FIS Bildung, Google Scholar und pedocs.de. Seine Vorbereitungen stehen – doch wie geht er jetzt konkret vor? Wo anfangen, wie die Begriffe kombinieren? Wann ist eine Quelle brauchbar? Levin merkt schnell: Auch mit guten Tools kann man sich in der Fülle an Informationen verlieren, wenn man ohne Plan klickt.
Recherchieren ist ein iterativer Prozess
Levin startet seine erste Suche in Google Scholar:
«ChatGPT Schule» – 1’200 Treffer.
«AI education critical thinking» – über 45’000 Treffer.
Er realisiert: Das ist zu viel. Also grenzt er ein:
«AI in education» + «critical thinking» + «primary school» → 3’400 Treffer.
Er ändert die Sortierung auf «seit 2021» – nun sind es 1’200.
Er scannt die ersten zehn Titel, liest zwei Abstracts – zwei Artikel wirken spannend, einer hat sogar einen PDF-Link.
Er merkt: Suchen, Sichten, Anpassen – das wiederholt sich ständig. Es geht nicht darum, auf Anhieb die perfekte Quelle zu finden, sondern den Suchprozess aktiv zu steuern.
Die richtige Kombination macht’s: Suchstrategien anwenden
Levin kombiniert Suchbegriffe bewusst:
- UND → verknüpft Begriffe (z. B. «AI UND education» = beide müssen vorkommen)
- ODER → erweitert die Suche (z. B. «ChatGPT ODER Large Language Model»)
- NICHT → schliesst Begriffe aus (z. B. «AI NICHT higher education»)
Er verwendet auch Trunkierungen:
«educat*» findet education, educator, educating usw.
Und Phrasensuche mit Anführungszeichen:
«»critical thinking»» – so wird genau dieser Ausdruck gefunden.
Was ist Boolesche Logik?
Die meisten wissenschaftlichen Datenbanken verwenden sogenannte boolesche Operatoren. Sie helfen dir, Suchbegriffe gezielt zu kombinieren, statt einfach nur Schlagworte einzugeben.
| Operator | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| UND | beide Begriffe müssen vorkommen | ChatGPT UND Schule |
| ODER | mindestens einer der Begriffe | ChatGPT ODER Bard ODER Gemini |
| NICHT | ein Begriff wird ausgeschlossen | Schule NICHT Universität |
| «» | exakte Wortgruppe | «digitale Kompetenzen» |
| * | Platzhalter/Trunkierung | lern* → findet lernen, Lernziel, Lernplattform |
Tipp von Levin: Viele Datenbanken zeigen beim Mouseover über das Suchfeld an, welche Operatoren unterstützt werden – oder bieten sogar erweiterte Suchformulare mit Checkboxen.
Von der Trefferflut zur Relevanz
Levin sichtet nach jeder Suche:
- Passen die Treffer zur Fragestellung?
- Sind sie zu allgemein oder zu spezifisch?
- Lassen sich neue Begriffe ableiten?
Ein Treffer spricht etwa von «AI literacy» – diesen Begriff hatte er bisher nicht auf der Liste. Er ergänzt ihn – und findet damit plötzlich neue, relevantere Artikel.
So entsteht eine eigene, wachsende Begriffswelt, die sich mit jeder Suchrunde verfeinert. Levin erkennt: Seine Suchstrategien entwickeln sich mit – und genau das ist der Clou.
Digitale Organisation nicht vergessen
Um den Überblick zu behalten, speichert Levin:
- vielversprechende Quellen als PDF in einem geteilten Ordner
- Titel, DOI und Fundort in einem Zotero-Projekt
- Notizen und Tags zu jedem Artikel: Zielgruppe? Bezug zur Schule? Unterrichtsbeispiele?
Das Wichtigste in Kürze:
Die Recherchetechnik entscheidet über Qualität und Effizienz deiner Suche.
- Beginne mit einer einfachen Suche – aber entwickle sie weiter.
- Nutze boolesche Operatoren und Trunkierung gezielt.
- Lies Abstracts und Inhaltsverzeichnisse zur schnellen Relevanzeinschätzung.
- Erstelle eine Suchdokumentation: Welche Kombinationen haben funktioniert? Welche Begriffe sind neu dazugekommen?
- Recherchieren ist ein Prozess, kein Einzelschritt.