Simona hat mit ihrer Klasse Fragestellungen entwickelt und passende Quellenarten besprochen. Die Schüler:innen haben sich Suchbegriffe überlegt, sind bereit – und starten nun in die digitale Recherche.
Simona beobachtet: Manche Schüler:innen tippen ihre Begriffe direkt bei Google ein, andere nutzen die Linkliste auf dem Klassenpadlet. Einige öffnen fünf Tabs gleichzeitig, andere verharren auf der ersten Seite und lesen alles Wort für Wort. Und dann ist da noch Leo, der bereits vier YouTube-Videos geöffnet hat – aber noch keine Notiz gemacht hat.
Recherche im digitalen Raum – ein komplexer Vorgang
Simona merkt schnell: Digitale Recherche bedeutet nicht nur etwas finden, sondern auch entscheiden, auswählen, bewerten – und das auf Grundlage oft lückenhafter Vorerfahrungen. Der Übergang vom Suchen zum Verarbeiten ist fließend – und herausfordernd.
Deshalb führt sie im Unterricht drei zentrale Leitfragen ein, die die Schüler:innen während der Recherche begleiten sollen:
- Passt diese Information wirklich zu meiner Frage? (→ Relevanz)
- Kann ich dieser Quelle vertrauen? Wer steckt dahinter? (→ Vertrauenswürdigkeit)
- Wie alt ist die Information – ist sie noch aktuell? (→ Aktualität)
Diese Fragen hängen gut sichtbar im Klassenzimmer (bzw. digital im Recherchepadlet) – als roter Faden für die Suchphase.
Digitale Recherchemethoden im Unterricht
Um die Übersicht zu bewahren, führt Simona eine kurze digitale Input-Sequenz durch:
- Wie öffne ich mehrere Tabs und behalte die Orientierung?
- Wie speichere ich brauchbare Links (z. B. über Lesezeichen oder ein digitales Notizblatt)?
- Wie kann ich irrelevante Seiten schnell erkennen und aussortieren?
- Was mache ich, wenn ich zu viele Informationen finde?
Die Schüler:innen erhalten die Aufgabe, zu ihrer Fragestellung drei digitale Quellen zu finden, diese kurz zu beschreiben und mit einem Bewertungssystem zu beurteilen (z. B. Ampelfarbe oder Punkteskala für Relevanz/Verlässlichkeit/Aktualität). Das geschieht direkt in einem digitalen Arbeitsblatt oder per Google Form.
Umgang mit der Informationsflut
Einige Schüler:innen stoßen auf Seiten, die scheinbar zur Frage passen, aber:
- enthalten Fachbegriffe, die sie nicht verstehen,
- sind unübersichtlich oder stark werbend,
- zeigen widersprüchliche Aussagen.
Simona nutzt diese Situationen gezielt im Unterrichtsgespräch:
«Was macht eine Information eigentlich gut? Und woran erkennen wir, ob eine Quelle schwach ist?»
Sie arbeitet mit Beispielen und lässt die Schüler:innen reflektieren, wann sie auf einer Seite weitergelesen haben – und wann sie freiwillig abgebrochen haben.
Digitale Tools zur Unterstützung
Simona setzt einfache digitale Hilfsmittel ein, um die Recherchephase zu strukturieren:
- Lesezeichenmanager oder geteilte Linklisten zur Sammlung guter Fundstellen
- Digitale Notizformulare mit Feldern für URL, Thema, Bewertung, Zitat
- Ampelbewertung per Drag & Drop oder einfachem Klick (z. B. in einem H5P-Modul)
Dabei wird auch reflektiert, wie mit KI-generierten Inhalten (z. B. durch ChatGPT oder YouTube-Kommentare) umzugehen ist – und warum eine «gut klingende Antwort» nicht automatisch eine gute Quelle ist.
Fazit:
Digitale Recherche ist mehr als Informationsbeschaffung – sie ist ein aktiver, reflektierter Auswahlprozess. Die Schüler:innen lernen, kritisch zu unterscheiden, worauf sie sich verlassen können – und was sie besser weglassen. Simona begleitet sie dabei mit einfachen Fragen, klaren Tools und gezielten Reflexionsimpulsen.