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ISP – Information Search Process

Das ISP-Modell (Information Search Process) ist ein etabliertes Modell zur Beschreibung von Rechercheverhalten. Es beschreibt die phasenweise Entwicklung von Gefühlen, Gedanken und Handlungen bei der Informationssuche.

Das Modell besteht aus sechs Phasen, die jeweils mit bestimmten affektiven (emotionalen), kognitiven und verhaltensbezogenen Aspekten verbunden sind. Später wurde das Modell um eine 7. Phase ergänzt.

1. Initiierung (Initiation)

Zu Beginn wird einem bewusst, dass eine Informationssuche notwendig ist – sei es zur Lösung eines Problems, zur Bearbeitung eines Themas oder zur Vorbereitung eines Projekts. In dieser Phase herrscht meist eine gewisse Unklarheit darüber, wo man anfangen soll und welche Informationen überhaupt benötigt werden. Dieses fehlende Wissen führt häufig zu Gefühlen der Unsicherheit, Unruhe oder sogar Überforderung.

2. Auswahl (Selection)

Nachdem die Notwendigkeit der Recherche erkannt wurde, versucht man, ein passendes Thema oder einen ersten Fokus zu finden. Diese Auswahl bringt häufig eine erste Zuversicht mit sich – endlich gibt es einen Ausgangspunkt. Gleichzeitig bleiben jedoch Zweifel bestehen, ob das gewählte Thema wirklich geeignet oder zu umfangreich oder unklar ist.

3. Erkundung (Exploration)

In der Erkundungsphase beginnt man mit dem Suchen und Sammeln erster Informationen. Dabei stösst man oft auf eine Fülle an Material, das teilweise unzusammenhängend, widersprüchlich oder schwer verständlich ist. Diese Überforderung kann zu Frustration, Verwirrung und innerem Rückzug führen – ein kritischer Punkt im Prozess, an dem manche Recherchevorhaben ins Stocken geraten.

4. Formulierung (Formulation)

Mit zunehmender Beschäftigung mit dem Thema gelingt es allmählich, die vielen Informationen zu ordnen und ein klareres Verständnis zu entwickeln. In dieser Phase bildet sich eine eigene Fragestellung oder Perspektive heraus, die der Recherche eine konkrete Richtung gibt. Dies geht häufig mit einem Gefühl der Erleichterung und neuer Motivation einher.

5. Sammlung (Collection)

Nun kann zielgerichtet nach Informationen gesucht werden, die direkt zur Beantwortung der Leitfrage beitragen. Die Recherche wird systematischer und effizienter, da man weiss, wonach man sucht. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen im Umgang mit Quellen und Informationen.

6. Darstellung (Presentation)

In der letzten Phase werden die gesammelten Informationen aufbereitet, strukturiert und in einem Produkt wie einer Hausarbeit, einem Referat oder einer Präsentation verarbeitet. Oft überwiegt dabei das Gefühl der Zufriedenheit über die geleistete Arbeit, auch wenn gleichzeitig Nervosität oder Druck wegen bevorstehender Bewertungen auftreten können.

7. Bewertung (Assessment)

Nach Abschluss der Recherche und Präsentation folgt eine bewusste Rückschau auf den gesamten Prozess. In dieser Phase reflektiert man, was gut funktioniert hat, wo Schwierigkeiten auftraten und wie man mit diesen umgegangen ist. Es geht darum, aus dem eigenen Vorgehen zu lernen, etwa durch die Einschätzung der eigenen Recherchekompetenz, der Qualität der Quellen oder der Effektivität der Arbeitsweise. Oft stellt sich dabei ein Gefühl von Stolz über das Erreichte ein, manchmal aber auch der Wunsch, es beim nächsten Mal anders oder besser zu machen.

Reflexionsfragen zur Vertiefung

Reflexionsfragen beim Arbeiten mit dem FIVE-Modell:

  • Was wusste ich zu Beginn? Wie habe ich mich gefühlt?
  • Warum habe ich dieses Thema gewählt? Fiel mir das leicht?
  • Was war schwierig? Wie bin ich mit Unsicherheit umgegangen?
  • Wann wurde mein Thema klarer? Was hat mir dabei geholfen?
  • Wie habe ich Quellen ausgewählt? Was war besonders hilfreich?
  • Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden? Wo gab es noch Hürden?
  • Was habe ich gelernt? Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Der prozessorientierte Ansatz des ISP-Modells

Das ISP-Modell unterscheidet sich von anderen Recherchemodellen wie Super3, Big6, oder i7 Prozessmodell vor allem durch seinen Fokus auf die emotionalen Aspekte des Rechercheprozesses. Während die anderen Modelle eher aufgabenorientiert und schrittweise strukturiert sind, betrachtet ISP auch Gefühle wie Unsicherheit, Verwirrung und Vertrauen, die während der Informationssuche auftreten. ISP ist stärker prozessbezogen und reflexiv, wohingegen die anderen Modelle eher handlungsorientiert und pragmatisch angelegt sind. Besonders in pädagogischen Kontexten eignet sich ISP gut zur Förderung der Recherchekompetenz und Selbstreflexion, während Super 3 und Big6 sich gut für praktische Rechercheanleitungen eignen.

Zur Vertiefung

Das Information Search Process (ISP) wurde von der US-amerikanischen Informationswissenschaftlerin Carol Collier Kuhlthau entwickelt. Ihre Erkenntnisse basieren auf langjährigen empirischen Studien. Dabei stellte sich heraus, dass der Rechercheprozess nicht nur aus Aufgaben und Strategien besteht, sondern stark von emotionalen Zuständen wie Unsicherheit, Verwirrung und Vertrauen geprägt ist.

Information Search Process | Carol Kuhlthau