Lernen ist ein sozialer Prozess. Auch wenn man ein sehr individuelles Lernvorhaben hat, kann es helfen, Lernpartnerschaften zu bilden. In dieser Lerneinheit stellen wir verschiedene Methoden und Instrumente für das Lernen in Gruppen vor.
Circles fürs Lernen nutzen
Frameworks wie Working Out Loud (WOL) oder LernOS bieten einen Rahmen, um ein individuelles Lernvorhaben im Kreis von Mitlernenden zu verwirklichen. Im folgenden Video wird eine pragmatische Variante von LernOS vorgestellt, welche auf ein persönliches Setting übertragen werden kann:
Transkript
Im Zusammenhang mit agilen Methoden werden immer wieder die gleichen Schlagworte genannt. Oft handelt es sich um Methoden, um als Team effizenter und kreativer zusammenzuarbeiten.
Working out Loud und LernOS zielen allerdings in der Regel aufs Individuum. Hier schliessen sich Personen mit einem je individuellen Lernvorhaben zu sogenannten Circles zusammen. Die Gruppe und das methodische Setting werden dabei genutzt, um am Prozess dranzubleiben und sich gegenseitig zu unterstützen. Während WOL einen kommerziellen Hintergrund ist LernOS ein Open Source Framework – die Methode und alle Materialien können frei weiterverwenden und auch bearbeitet werden.
Im Zentrum von LernOS steht das selbstorganisierte Lernen. Ein Circle besteht aus 4–5 Personen und ein Sprint dauert 12 Wochen. In der Regel trifft man sich wöchentlich 1h.
In LernOS werden drei wesentliche Aspekte genannt:
- Das Mindset beschreibt die erforderliche Grundhaltung. So braucht dieses Lernsetting von allen Beteiligten eine grosse Offenheit und auch viel Vertrauen, denn es braucht einiges an Mut, anderen Einblick in den eigenen Lernprozess zu geben.
- Beim Skillset wird auf die 4K (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken) verwiesen, wobei das natürlich v.a. auch digitale Kompetenzen betrifft.
- Und schliessend wird mit dem Toolset eine breite Palette an Methoden und Tools eingesetzt.
Wir orientierten uns beispielsweise im CAS PICTS an LernOS, adaptierten die Methode aber aus organisatorischen Gründen:
Während eine LernOS-Circle in der Regel ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten ist, wurde das Format von einer PH-Person geführt. Um mit der Methode vertraut zu werden ist das fast eine Grundvoraussetzung. An der Kickoff-Veranstaltung vor Ort wurden die Lernvorhaben definiert und die Details Zusammenarbeit geklärt.
Wir beschränkten uns auf 6 Meetings, weil es ein Ding der Unmöglichkeit ist, unter viel beschäftigten, auf verschiedene Kantone verteilte Personen 12 gemeinsame Termine zu finden. Im Gegensatz zum üblichen LernOS-Setting wurden bei uns die entsprechenden längeren Zeiträume zwischen den Meetings für eine intensive asynchrone Zusammenarbeit genutzt.
Zum Schluss gab es eine Ausstellung der Lernprodukte und der Prozess wurde gemeinsam ausgewertet.
Um ein relevantes und motivierendes Lernvorhaben zu definieren und das Commitment für die Zusammenarbeit zu formulieren wurde ein entsprechender Canvas entwickelt.
Die Treffen laufen immer nach dem gleichen Schema ab. Idealerweise wechselt man sich mit dem Moderieren ab.
Meist ist es den Circle-Mitgliedern freigestellt, mit welchem Tool sie ihren Lernprozess dokumentieren. Die Bedingung ist, dass alle anderen über einen Link Einblick nehmen und Kommentare hinterlassen können. Oft wurden die Kommentare mit einer anderen Farbe unter den jeweiligen Eintrag geschrieben. Nach allen Durchführungen solcher Circles war man sich einig, dass diese Rückmeldungen sehr geschätzt wurden und dass die Lernmotivation dadurch gesteigert wurde.
Zusammenfassend hier nochmals drei wesentliche Gelingensbedingungen:
- Dies Form des Lernens verlangt von allen Beteiligten eine grosse Offenheit, sowohl für die Zusammenarbeit als auch für das Lernergbnis. Oft haben sich die Ziele und auch das angestrebte Lernprodukt im Laufe des Prozesses verändert.
- Für Personen mit einer vollen Agenda und einem unberechenbaren Alltag ist die Verbindlichkeit dieses Settings eine grosse Herausforderung. Das Commitment dem Circle eine hohe Priorität einzuräumen ist deshalb unerlässlich.
- Die Motivation steht und fällt mit dem gesetzten Ziel: es soll herausfordernd und bedeutsam sein. So erlebt man sich wirksam und am Schluss blickt man stolz auf seinen Lernweg zurück.
Methoden fürs Lernen in Teams
Es gibt eine Unzahl an Methoden und Instrumenten für das Lernen in Teams. Wir greifen in der Folge ein paar gängige Beispiele und Elemente auf.
Liberating Structures
Der Begriff «Liberating Structures» sieht auf den ersten Blick nach einem Widerspruch aus. Die Grundidee dahinter ist, dass Kreativität und das Eröffnen von neuen Perspektiven nie im luftleeren Raum stattfindet, sondern eine gewisse Struktur verlangt. Auf der Webplattform http://liberatingstructures.de findest du einen prall gefüllten und hervorragend dokumentierten Methodenkoffer für unterschiedlichste Settings und Situationen. Gewisse Methoden wie 1-2-4-All oder Nine Whys kommen dir wahrscheinlich bekannt vor.

Check-in und Check-out
Vor allem wenn man online zusammen lernt, lohnt es sich das Meeting jeweils mit einem Check-in zu starten und auch wieder mit einem Check-out abzuschliessen. Das gibt dem Austausch einen Rahmen und schafft unter den Beteiligten eine Verbindung. Hier eine Sammlung von möglichen Methoden:
- https://www.checkin-generator.de
Zufällige Sammlung von Check-in-und-out-Fragen - https://tscheck.in
Weitere hübsch gestaltete Seite mit Check-in-Fragen - https://internetquatsch.de
Sammlung von bizarren Websites, die garantiert für gute Laune sorgen - https://protobot.org/#de
Diese zufälligen, meist völlig absurden Aufgaben können einen lustigen und kreativen Einstieg bilden
Design Thinking
Design Thinking ist eine kreative und nutzerzentrierte Methode zur Lösung komplexer Probleme. Sie besteht aus mehreren Phasen – Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen – die in iterativen Schleifen durchlaufen werden. Im Gruppenlernen fördert Design Thinking kollaboratives Denken, aktives Zuhören und das Einbringen vielfältiger Perspektiven. Dabei entstehen nicht nur innovative Lösungen, sondern auch wertvolle Lernprozesse durch Austausch, Feedback und gemeinsames Ausprobieren.
Barcamp
In Teams schlummern viele Ressourcen und oft gibt es zu wenig Gelegenheiten, diese sichtbar zu machen. Hier bietet sich das Barcamp als offenes Format an, bei dem alle Teilnehmenden eingeladen sind, Themen vorzuschlagen, Sessions zu gestalten und Wissen aktiv zu teilen. Für die Durchführung reicht ein halber Tag und die Einladung kann an alle Beteiligten der Schule gerichtet werden (Behörden, Hauswartung, Schulsozialarbeit, Betreuung, Elternvertretung usw.). Oft werden das Barcamp spontan an einer grossen Pinnwand organisiert: Dabei werden die Zettel mit den Sessions auf die Zeitslots verteilt, bis es für alle Teilnehmenden aufgeht. Ein digitales Tool wie jenes von edutools kann diesen Prozess vereinfachen: http://edutools.ch/barcamp
Weitere Informationen: BarCamp: Definition, Ablauf und Geschichte

Zuerst wird gelernt
Damit ist die einfache Regel gemeint, dass jedes Arbeitstreffen mit einem «Traktandum 0» – dem Learning zum Einstieg beginnt. Während maximal 5 Minuten stellt ein Teammitglied eine neue Erkenntnis, eine Erfahrung, einen hilfreichen Software-Kniff, ein hilfreiches Feedback, ein Tool, ein Video, einen Artikel oder einen Podcast vor. Dies geschieht abwechslungsweise und die Learnings werden dokumentiert und allen zugänglich gemacht.
Visualisieren

Arbeitsschritte und Lernerfahrungen sind im Idealfall nicht nur in Textform abgebildet. Es hilft, wenn sie visuell aufbereitet werden, man sie vor Ort anschauen oder sie anfassen kann.

Dazu können nach Möglichkeit eigene Grafiken gezeichnet werden. Für die Suche nach einem geeigneten Symbol kann in der Google-Bildersuche nach Clipartbildern gesucht werden. Eine riesige Sammlung von Symbolen ist unter The noun Project zu finden.
Hier findest du Materialien und einen Onlinenkurs: Visualisieren mit Stift
Mit Lego, Playmobil oder selbst gebauten Exponaten lassen sich Abläufe «begreifen».

Agile Retrospektiven
Am Ende wichtiger Etappen gemeinsam auf das Erreichte zurückzuschauen, gehört zu jedem Lernprozess. Feste Routinen (am Ende eines Projekts, nach Meilensteinen oder an fixen Punkten im Jahr) stellen sicher, dass wichtige Erkenntnisse in der Hektik des Alltags nicht untergehen. Zur Routine gehört es auch, dass die Ergebnisse dokumentiert werden, damit sie bei der Planung neuer Vorhaben in die Planung einfliessen. Auch hier helfen ansprechende Visualisierungen. (evtl zum Download zur Verfügung stellen?) Nicht jede Visualisierung passt zu jedem Projekt. Im Wesentlichen geht es dabei jedoch immer um diese 3 Fragen:
- Keep: Was behalten wir bei? Wie tun wir das?
- Change: Was verändern wir? Worin besteht diese Veränderung?
- Stop: Was vermeiden wir in Zukunft?
Layoutvorlagen:

Download der Layoutvorlagen:
Zur Vertiefung
Wenn du wissen möchtest, wie du kollaborativ arbeiten kannst findest du im Modul «Online Kommunikation & Online Kooperation» im Kapitel Online zusammenarbeiten weitere Informationen.