Prinzip der Nähe
Elemente, die zueinander gehören, sollten nah beieinander platziert werden. Dadurch bilden sie eine visuelle Einheit (anstatt separater Objekte). Das hilft, Informationen zu ordnen, reduziert Wirrwarr und gibt den Lesenden eine klare Struktur.
Prinzip der Ausrichtung
Nichts sollte willkürlich positioniert werden. Jedes Element sollte eine visuelle Verbindung zu einem oder mehreren anderen Elementen haben. Das führt zu einem sauberen, ausgereiften und eleganten Erscheinungsbild.
Prinzip der Wiederholung
Visuelle Elemente sollten sich konstant wiederholen. Farbe, Formen, Texturen, räumliche Beziehungen (Abstände), Liniendicke, Schriftarten, Grössen, grafische Konzepte usw. Das stärkt die Ordnung und Einheit.
Prinzip des Kontrasts
Es sollte vermieden werden, verschiedene Elemente ähnlich zu gestalten. Wenn Elemente (Schriften, Farben, Grössen, Linien, Formen, Abstände) nicht gleich sind, dann lohnt es sich, sie sehr unterschiedlich zu gestalten. Kontrast lenkt die Aufmerksamkeit der Lesenden. Kontrast kann Hierarchien verdeutlichen, die Lesenden durch die Seite führen und ihnen helfen, sich zu fokussieren. Kontrast unterstützt und verdeutlicht somit die Kommunikation.
Bei der Verwendung von Farben ist zu beachten, dass Mindestanforderungen an Kontraste eingehalten werden sollten, damit auch Lernende mit Seheinschränkungen (z. B. Rot-Grün-Schwäche) alles Inhalte und Bedienelemente erkennen können. Es gilt, dass normal grosse Schrift einen Kontrast von mindestens 4,5:1, grosse Schrift einen Kontrast von mindestens 3:1 und wichtige grafische Elemente und Bedienelemente ebenfalls mindestens 3:1 erreichen sollten. Auch sollten Farben, die Informationen vermitteln, nicht die einzige Möglichkeit sein, diese Information zu erkennen. Mehr Informationen zu diesem Thema findest du im Modul E-Accessibility.
Diese vier «Prinzipien des visuellen Designs» sind nicht zu verwechseln mit den «Prinzipien des multimedialen Lernens» aus den vorherigen Kapiteln. Letztere stammen aus dem Bereich der Bildungswissenschaften, sind empirisch sehr gut erforscht und belegt. Die Prinzipien des visuellen Designs stammen hingegen aus dem Bereich der Gestaltung. Zu ihrem Einfluss auf das Lernen gibt es noch nicht viele Forschungsergebnisse. Aber man kann viel für die Ästhetik mitnehmen.
Zum Überlegen
Beschäftige dich nochmals mit dem Beispiel von der letzten Seite. Erkennst du, wie die Anwendung der vier Prinzipien das Design verbessert?


- Typografie: Sie wählt eine moderne, serifenlose Schrift.
- Ausrichtung: Der Text ist linksbündig gesetzt. Das unterstützt den natürlichen Lesefluss.
- Hierarchie durch Farbe: Der Haupttitel ist groß, blau hervorgehoben. Die ehemals nummerierten Punkte sind nun als blaue, halbfette Zwischenüberschriften gestaltet.
- Dezenter Fließtext: Die Erklärungen darunter sind in einem zurückhaltenden Grau gehalten, wodurch sie visuell in den Hintergrund treten.
- Abstände: Anstelle von Aufzählungszeichen nutzt sie großzügige Leerzeilen (den oft bemühten „White Space“, präziser gesagt: strukturierenden Freiraum), um die drei inhaltlichen Blöcke klar voneinander zu trennen.
Zum Überlegen
Wenn du deine eigenen Arbeitsblätter und Unterlagen betrachtest, wo erkennst du die vier Prinzipien? Und wo könntest du deine Unterlagen noch verbessern, indem du die Prinzipien bewusst anwendest?