Es gibt weitere Prinzipien, an denen wir uns orientieren können, um die kognitive Belastung zu reduzieren:
Text und Bild rücken zusammen – oder das Prinzip der räumlichen Kontiguität
Mit der Integration des Texts in die visuelle Darstellung wird bereits ein wichtiges Prinzip erfüllt. Für das Lernen ist es besser, wenn Text nicht unterhalb der visuellen Darstellung steht (oder noch schlimmer: auf der nächsten Seite). Ideal ist es, den Text in kurzen Worten oder Sätzen direkt in die Grafik zu integrieren.
Max hat also das Prinzip der räumlichen Kontiguität bereits erfüllt.
Beispiele zum Prinzip der räumlichen Kontiguität
Beispiel Blitz

Beispiel Bremse
Diese Darstellung ist einem Experiment zum Prinzip der räumlichen Kontiguität entnommen. Eine Gruppe lernte mit der integrierten Darstellung rechts und die Kontrollgruppe mit der Darstellung links, wie sie häufig in Schulbüchern zu finden ist. Die Variante rechts hat zu signifikant besseren Lernresultaten in einem anschliessenden Transferest geführt (vgl. Fiorella & Mayer 2022).

Prinzip des Hervorhebens
Max überlegt sich, die wichtigsten Begriffe visuell hervorzuheben, indem er sie beispielsweise fett druckt oder farbig markiert. Es ist tatsächlich eine gute Idee, visuelle Gestaltungselemente wie Untertitel, Kästchen, fett oder farbig hervorgehobene Textstellen, Diagramme mit Untertiteln oder umrandete Aussagen usw. einzusetzen. Solche visuellen Elemente dienen quasi als Anker für das Auge und helfen den Lernenden, sich im Text zu orientieren. Dadurch können sie ihre Aufmerksamkeit viel besser steuern, als bei einem weitgehend unformatierten Fliesstext.
Mit dem Einfügen von verschiedenen Arten der Hervorhebung erfüllt Max das Prinzip des Hervorhebens (auch Signaling Principle genannt, vgl. Van Gog, 2022).
Beispiel zum Prinzip des Hervorhebens
Die Version rechts mit den Hervorhebungen erleichtert das Lernen indem es die kognitive Belastung reduziert.

Das «interessante Detail» – oder das Prinzip der Kohärenz
Max findet seine digitale Lerneinheit ein wenig trocken und überlegt sich, sie mit interessanten Details aufzulockern. Er könnte von seinem Grossvater erzählen, der einen Blitzschlag überlebt hat. Oder ein Bild des Menschen einfügen, der die meisten Blitzschläge überlebt hat.
Damit würde er das Prinzip der Kohärenz verletzen. Solche interessanten Details lenken von den tatsächlichen Lernzielen und -inhalten ab. Dies gilt insbesondere für eine digitale Lerneinheit, die selbstgesteuert erarbeitet wird.
Zusammenfassung: Extrinsische kognitive Belastung
Prinzip der räumlichen Kontiguität: Menschen lernen besser, wenn visuelle Darstellungen und dazugehörige Worte nahe beieinander platziert sind (anstatt weit auseinander bzw. auf der nächsten Seite).
Prinzip des Hervorhebens: Menschen lernen besser, wenn Hinweise die wichtigsten Elemente bzw. die Struktur oder Organisation des Materials hervorheben.
Prinzip der Kohärenz: Menschen lernen besser, wenn zusätzliches Material exkludiert wird.