Die kaufmännische Berufsfachschule in Liestal Basel-Land (kvBL), treibt die digitale Transformation mit Hilfe von digibasics aktiv voran. Paolo Dettwiler, langjähriger Lehrer und Pädagogischer ICT-Supporter (PICTS) berichtet im Interview mit Caspar Noetzli, wie seine Schule die Lernmodule von digibasics einsetzt, um die Digitalkompetenzen der Lehrpersonen zu fördern.
Eine Nutzungsgeschichte zum Hören
Traskript
Digibasics Nutzungsgeschichten. Bei mir heute am Telefon Paolo Detwiller. Paolo, wer bist du?
Ich bin Lehrperson der zweiten Sekundarstufe an der Schule kvBL in Liestal. Wir sind also eine kaufmännische Berufsfachschule. Ich unterrichte seit über 20 Jahren Geschichte und Englisch, auch Bilingual an dieser Schule. Ich bin aber nebenbei auch PICTS und engagiert in der digitalen Transformation unserer Schule.
Kannst du mir erzählen, wie ihr digibasics bei eurer Berufsfachschule einsetzt?
Bei uns braucht man das für ein Konzept, ein Projekt, das wir gestartet haben. Es nennt sich «Digitale Kompetenz der Lehrpersonen fördern». Es beginnt mit einer Selbsteinschätzung, die sich auf insgesamt zehn digitale Basiskompetenzen bezieht. Diese Selbsteinschätzung orientiert sich am europäischen Referenzrahmen. Eigentlich von den Sprachen ursprünglich, A1 bis C2. Und da würde man jeweils sagen, okay, da stand ich, da möchte ich hin. Was ist für mich in meinem Umfeld gerade wichtig oder nicht wichtig? Und ich brauche Weiterbildung in diesem Bereich jetzt im hohen Mass oder auch gar nicht. Das ist so ein Excel-File, welches wir hergestellt haben. Und das dreht man dann ins MitarbeiterInnengespräch und das wird dort besprochen. Dann werden so ein bis zwei Schwerpunkte pro Jahr festgelegt, wo man sich besonders entwickeln möchte. Und das würde man dann natürlich in einem Jahr anschauen. Jetzt bekommt man von B1 zu B2 einerseits tatsächlich indem man ein Modul von digibasics durcharbeitet, was sich eigentlich ermöglichen sollte. Oder man tatsächlich etwas ganz anderes sucht, einen Präsenzkurs oder einen Online-Kurs. Es gibt ja unzählige Angebote, kostenpflichtige und auch solche, die nicht kosten.
Und welche Module von digibasics kommen denn zum Einsatz bei euch? Kann man sich vorstellen, dass ein Modul wie Informatik vielleicht für euch weniger interessant ist?
Das ist natürlich ein sehr wohl zentrales Thema, weil wir ja kaufmännische Berufsleute ausbilden. Allerdings nicht bei den Lehrpersonen, da haben wir teilweise noch ein wenig Nachholbedarf. Wir hatten zwar schon lange alle Tools vor der Pandemie im Einsatz, aber noch nicht so richtig umgesetzt für alle. Wir haben eigentlich alle acht von diesen Modulen aufgeführt. Man kann ja selbstständig nicht jede Kompetenz maximal ausfahren sondern es geht auch darum, dass man selber sagt, ich will in zwei oder drei von diesen digitalen Basiskompetenzen jetzt einmal weiterkommen dieses Jahr oder nächstes Jahr. Und ich habe jetzt auch gesehen, dass es noch drei neue Module gibt, die, glaube ich, noch nicht freigegeben sind. Wir haben die 8 Module als Basiskompetenzen definiert, plus noch haben wir 2 selbst dazu genommen, das wäre interessant, KI für Lehrpersonen und weitere digitale Tools wie zum Beispiel Padlet oder ClassTime usw.
Habt ihr schon Erfahrungen gemacht mit dem Einsatz von digibasics, konkret im Rahmen eures Konzepts?
Wir haben es mit den PICTS zusammen durchgespielt und angeschaut. Deswegen sind wir auf digibasics gekommen, weil es ja noch andere Tools in Europa gibt. Aber das ist tatsächlich das, was für das, was wir es brauchen, am besten geeignet ist, weil es diese drei Stufen quasi hat. Angefangen mit dem Selbsttest und dann weitergehend zu den anderen Komponenten.
Also der konkrete Einsatz mit Lehrpersonen und auch das Aufgreifen in diesen Mitarbeitergesprächen, das ist noch ein bisschen Zukunftsmusik. Zu dem könntest du mir dann vielleicht in einem Jahr oder so nochmal mehr erzählen.
Das ist genau richtig. Wir sind jetzt in der Phase vom Herbst bis zum nächsten Frühling, in der die MitarbeiterInnen Gespräche laufen. Die Schulleitung erhebt anonymisiert die Daten. Also wie viele stehen in diesem Kriterium bei B1, wie viele stehen bei C1 usw. Wo möchten sie hin? Und dann werden wir das auswerten und daraus können wir einerseits bei uns intern ein Weiterbildungsberatungsangebot machen und sagen, das wäre ideal, wenn du bei digibasics das und das Modul durcharbeiten würdest. Oder etwas anderes machen. Und dann, nächsten Frühling, nächsten Frühsommer, soll das alles evaluiert werden. Und vielleicht auch gleich angepasst werden. Ich bin jetzt sehr gespannt, was euch die drei neue Module, was die genau inhaltlich erbieten werden, vielleicht auch das Raster anpassen und das Konzept insgesamt. Es sollte aber verheben, dass wir das die nächsten drei, vier Jahre umsetzen können und eine deutliche Steigerung der digitalen Kompetenz der Lehrpersonen beobachten können.
Gibt es für dich Highlights bei digibasics, also Dinge, die dir besonders gut gefallen?
Es ist sicher ein Angebot selbst, also Themen, die angeboten werden, die sehr gut gruppiert sind. Also Bild, Audio, Video, Textpräsentationen, Tabellen, Datenschutz usw. Das trifft das, was ich denke, dass Lehrpersonen brauchen. Ich glaube, wenn ich es richtig verstehe, ist DigiBasics eigentlich für Lehrpersonen, die in der Ausbildung sind. Aber wir haben ein anderes Problem. Wir haben sehr gut ausgebildete Lehrpersonen. Allerdings gibt es bei den digitalen Kompetenzen einen grossen Unterschied, weil natürlich auch die Altersstruktur sehr durchmischt ist. Sie sind alle gleich weit. Und diese Struktur von digibasics, denke ich, ermöglicht es uns, einen gewissen Ausgleich zu schaffen vom Know-How der Lehrpersonen bezüglich der digitalen Kompetenzen.
Gibt es Elemente von digibasics, wo du denkst, da könnten unsere Lehrpersonen darüber stolpern? Oder ganz allgemein, gibt es Wünsche von dir oder von euch an digibasics für die Zukunft?
Also mit dem, was jetzt hier liegt, von digibasics eigentlich nicht. Allerdings ist jetzt das Konzept, von dem ich erzählt habe bei uns, das hat eigentlich noch eine zweite Stufe, wo wir dann in vier, fünf Jahren oder so auch starten möchten. Und zwar gibt es einen europäischen Referenzrahmen für Lehrkräfte, was berufsbezogene digitale Kompetenzen betrifft. Und da sind die digitalen Basiskompetenzen ein Teil davon, aber dort hat es noch viel mehr Teile. Und was natürlich eigentlich das Tool, das ich gesucht hätte, gewesen wäre, ich kann die Kriterien nehmen und einen Selbsttest machen und am Schluss weiss ich, bin ich jetzt A2, bin ich C1, wo stand ich eigentlich im Vergleich zu anderen. Es gibt so ein Tool auf europäischer Ebene, bei dem die Kompetenzen in Bezug auf den gemeinsamen europäischen Referenzrahmen tatsächlich abbilden, wo man sich selber testen kann. Das ist auch schon über 200’000 Mal durchgeführt worden. Und das wäre natürlich jetzt eigentlich auch mein Zukunftswunsch für digibasics, dass es irgendeinen Bezug gibt zu diesem europäischen Referenzrahmen. Weil an sich ist es inhaltlich, denke ich, ist es eigentlich da, aber es fehlt irgendwie noch so aus meiner Sicht der Link zu diesem Referenzrahmen.
Vielen Dank, Paolo Detwiller, für das Gespräch und deine Nutzungsgeschichte von digibasics.
Im Rahmen des Projekts «Digitale Kompetenzen der Lehrpersonen fördern» der kvBL (1) starten die Lehrpersonen mit einer Selbsteinschätzung. Diese Einschätzung (gegliedert in digitale Basiskompetenzen und Kenntnisse der Didaktik des digitalen Unterrichts) basiert auf zehn Basiskompetenzen und orientiert sich sich am europäischen Referenzrahmen DigiCompEdu (2). Damit können Lehrkräfte den Stand ihrer Digitalkompetenzen erörtern und Entwicklungsziele bestimmen. Diese werden im Mitarbeitergespräch besprochen und individuelle Schwerpunkte zur Weiterentwicklung festgelegt.
Die Lernmodule von digibasics würden sehr genau die Bedürfnisse der Lehrerinnen und Lehrer am kvBL widerspiegeln, so Paolo Dettwiler. Insbesondere werden die Lernmodule «Bild, Audio, Video» (3) und «Datenschutz & Co.» (4) von Lehrpersonen geschätzt.
Auf seine Wünsche an digibasics angesprochen: «Ein Tool, das unsere Lehrpersonen nach einem Selbsttest auf die entsprechende Kompetenzstufe einordnet, würde die individuelle Orientierung erleichtern und Vergleiche ermöglichen.» Vergleiche «Selfie for Teachers» (5).
Autoren: Caspar Noetzli (PH Zürich) & Paolo Dettwiler (kvBL)
6.11.2024
Zur Vertiefung
- Website der kaufmännischen Berufsfachschule in Liestal Basel-Land (kvBL)
- DigiCompEdu
- digibasics Lernmodul «Bild, Audio & Video»
- digibasics Lernmodul «Datenschutz & Co.»
- Selfie for Teachers – Selbsttest der Europäischen Union für Lehrpersonen
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