Im Interview mit Caspar Noetzli berichtet Nathalie Hermann, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH), wie sie die Lernmodule von digibasics einsetzt, um Personen ohne formale Zulassungsvoraussetzungen in einem Sur-Dossier-Verfahren das Studium zu ermöglichen und ihre Digitalkompetenzen gezielt zu fördern.
Eine Nutzungsgeschichte zum Hören
Transkript
«digibasics» Nutzungsgeschichte. Bei mir heute zu Gast ist Nathalie Hermann. Nathalie, wer bist du?
Ich arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik. Die HFH ist eine spezialisierte pädagogische Hochschule mit Fokus auf Heil- und Sonderpädagogische Fragestellungen. Unser Angebot umfasst unter anderem praxisorientierte Studiengänge auf Bachelor- und Masterstufen wie zum Beispiel Logopädie, Psychomodoktherapie oder schulische Heilpädagogik.
Und wie und mit welchem Ziel habt ihr oder hast du digibasics bei euch an der HFH eingesetzt?
Ich bin zuständig für das Zulassungsverfahren «Sur-Dossier» für die Bachelorstudiengänge. Das Verfahren müssen studieninteressierte, die als Quereinsteigende an die HFA kommen möchten, durchlaufen. Quereinsteigende sind Personen, die nicht über die geforderten Zulassungsvoraussetzungen verfügen, also z.B. keine Maturität vorweisen können. Das Ziel des Verfahrens ist, dass sie anhand von Aufgabenstellungen in einem Portfolio und einem sogenannten Kompetenzgespräch ihre Studierfähigkeit aufzeigen. Diese kann man auf verschiedenen Arten und Weisen erreichen. Die basale fachliche Kompetenz der allgemeinen Studierfähigkeit umfasst erst die Sprache Deutsch, Mathematik, Englisch und eben auch ICT. Für den Bereich ICT brauchen wir die digibasics. Es sind sehr unterschiedliche Leute. Es ist immer sehr spannend, sie kennenlernen. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und haben sehr unterschiedliche Backgrounds. Die einen arbeiten schon in diesem Bereich. ICT zum Beispiel. Die anderen haben noch keine Erfahrung. Das ist unsere Aufgabe für sie sehr spannend. Ihre Aufgabe ist im Bereich ICT, dass Sie mit digibasics arbeiten. Zuerst schätzen Sie sich anhand des DigiBots selbst ein. Dann stellen sie für sich zusammen, welche Lernmodule sie noch machen möchten, damit sie ihre Lücken am besten füllen können. Sie können sich auch mit der neuen Funktion ein Lernpaket zusammenstellen. Im Portfolio, das ist wie ihre Mappe, Aufgaben, die Sie gelöst haben, zusammenstellen und darin zeigen Sie uns erstens auf, welches Lernmodul Sie absolviert haben und Sie reflektieren auch über Ihren Lernprozess. Sie halten dann auch im Portfolio ihre Lernprozesse fest, indem sie z.B. Screenshots einfügen von ihren Selbsttests oder von den Praxisaufgaben oder was sie auch gemacht haben in den einzelnen Aufgaben. Und sie sind da relativ frei. Unser Verfahren ist wirklich so aufgebaut, dass die KandidatInnen viel für sich mitnehmen sollen, vorbereitet und die Aufgaben löst. Wir setzen auch fest auf Eigenverantwortung. Das Ziel ist effektiv, dass sie im Bereich ICT viel für sich profitieren können. Wir sehen es auch anhand der Feedbacks, dass es gut gelingt und die Kandidatinnen wirklich gut ihre digitalen Kompetenzen vergrössern können.
Welche Erfahrungen hast du mit dieser Zielgruppe «Quereinsteigende» beim Einsatz von digibasics gemacht?
Sie machen sich wirklich fit für ihr Studium und das gehört dazu, dass man sich nochmals mit den digitalen Kompetenzen auseinandersetzt. Wir haben auch jemanden, der in der 50er-Jahre ist. Darum ist es wirklich sehr wertvoll, dass sie sich nochmals ganz vertieft auseinandersetzen. Wir haben fast durchs Band positive Rückmeldungen. Ja, das ist schon sehr erfreulich, dass es so gut ankommt und dass wir in diesem Fall einen guten Reicher hatten und dass es sich sehr gelohnt hat, dass wir diese Aufgabenstellung jetzt mit digibasics machen.
Gibt es Highlights, die besonders herausstechen?
Genau, also ein Highlight für mich ist tatsächlich, dass ich nicht Aufgaben stellen oder etwas selber schaffen muss, weil ich habe jetzt diese Plattform und es ist alles da und es ist alles durchdacht und ich kann sie einfach dort drauf arbeiten lassen und ja, das ist wirklich für mich auch eine grosse Hilfe. Und ein Highlight ist für mich wirklich einfach all die positiven Rückmeldungen, dass sie wirklich das Gefühl haben, sie haben Fortschritt gemacht in der digitalen Kompetenz.
Gibt es auch Stolpersteine, also Dinge, die für dich oder die Lernenden nicht gut funktionieren?
In diesen detaillierten Antworten lese ich manchmal schon etwas Kleines. Z.B. jemand fand, es sei kein übersichtliches Auswahlmenü. Oder jemand schrieb, es hat länger gebraucht, bis er gesehen hat, wo man die Lesezeichen setzen kann. Aber es sind kleinere Dinge, die sie sehr genau nehmen im Feedback. Aber alles in allem fand ich nicht, dass irgendwie Stolpersteine da waren, die jemand gefunden hat. Ich kann gar nicht arbeiten mit dem. Das sah ich nicht.
War das das erste Mal, dass du digibasics so eingesetzt hast? Wie geht es weiter in der Zukunft mit digibasics bei euch?
Ich verwende es eigentlich seit Anfang an. Ich weiss gar nicht, wie viele Jahre es jetzt schon sind. Meine Kollegin von der HFH, die dabei ist in dieser ganzen Entwicklung, hat mich ziemlich schnell auf das aufmerksam gemacht, dass es eine Option für uns wäre. Da sind wir schon relativ lange dran. Es gibt keine Änderungen. Wir halten es weiterhin so bei. Das Schöne ist die neue Option, die ein Lernpaket gibt, mit einer guten Übersicht, an was sie sind und ob sie es schon fertig haben. Aber sonst geht es bei uns so weiter wie bisher. Wir sind sehr zufrieden.
Wenn du zum Schluss noch etwas wünschen dürftest für digibasics, was wäre das?
Für digibasics wünsche ich mir, dass ihr noch mehr Leute erreichen könnt, dass das Potenzial der Plattform möglichst ausgiebig genutzt werden kann. Wie gesagt, im Moment bin ich sehr glücklich damit und habe nicht noch einen spezifischen Wunsch für eine Änderung. Ich sehe, dass da unglaublich viel gedacht wird an diesem Projekt. Ich finde es wirklich eine gute Sache und hätte da nichts zu wünschen.
Vielen Dank, Nathalie Herrmann, für das Gespräch und für deine Nutzungsgeschichte von «digibasics».
Im Zulassungsverfahren «sur dossier» für Bachelor-Studiengänge(1) können Studieninteressierte ohne formale Zulassungsausweise ihre Studierfähigkeit nachweisen. Diese umfasst neben Deutsch, Mathematik und Englisch auch grundlegende ICT-Kompetenzen. Ziel ist es, unterschiedliche Bildungsbiografien zu berücksichtigen und Studierfähigkeit kompetenzorientiert zu beurteilen. Im Zulassungsverfahren wird geprüft, ob die Kandidat:innen, die erforderlichen Kompetenzen für ein Studium auf Bachelorniveau aufweisen.
Für den Bereich ICT arbeitet die HfH mit den Lernmodulen von digibasics. Die Teilnehmenden kommen aus sehr unterschiedlichen beruflichen Kontexten und verfügen über unterschiedlich ausgeprägte digitale Vorkenntnisse. Wichtig sei ein flexibles und individuelles Vorgehen, so Hermann.
Individuelles Lernpaket
Zu Beginn schätzen die Kandidatinnen und Kandidaten sich mithilfe des digibot(2) selbst ein. Auf dieser Grundlage wählen sie passende Lernmodule aus oder stellen für sich ein individuelles Lernpaket(3) zusammen. Damit können sie Lerninhalte aus verschiedenen Lernmodulen auf digibasics auswählen, ganze Kapitel oder einzelne Themen. So stellen sie sich ihr persönliches Lernprogramm zusammen.
Lernportfolio zum Kompetenznachweis
Die bearbeiteten Selbsttests und Praxisaufgaben dokumentieren die Personen in einem Portfolio. In diesem begründen sie ihre Auswahl, reflektieren ihren Lernprozess und weisen die vertieften Kompetenzen nach.(4) Ein Kompetenzgespräch schliesst das Sur-Dossier-Verfahren an der HfH ab.(5)
Eigenverantwortliches Lernen
Das Verfahren ist stark auf Eigenverantwortung ausgerichtet. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden ihre ICT-Kompetenzen bedarfs- und situationsbezogen erweitern und sich damit gezielt auf ihr Studium vorbereiten können. Rückmeldungen zeigen, dass dies gut gelingt – auch bei älteren Quereinsteigern. Von den Verantwortlichen wird besonders geschätzt, dass mit digibasics eine didaktisch durchdachte Plattform zur Verfügung steht und keine eigenen Aufgaben entwickelt werden müssen.
Autor:innen: Caspar Noetzli, PH Zürich & Nathalie Hermann, HfH
Zur Vertiefung
- Zulassungsverfahren «sur dossier» für die Bachelorstudiengänge der HfH
- Der «digibot» generiert nach der Beantwortung von Fragen zu den Interessen und Vorerfahrungen eine Empfehlung zur Bearbeitung der Lerninhalte auf digibasics.ch. Aktuell (Februar 2026) berücksichtigt der digibot acht Lernmodule der ersten Entwicklungsphase. Der digibot wird bis Ende 2026 um acht weitere Lernmodule erweitert.
- Individuelles Lernen mit der Funktion «Lernpakete»
- Im Lernmodul «Digital lernen und arbeiten» wird auf das Planen eines Lernvorhabens und das Führen eines Portfolios (ePortfolio) eingegangen und es werden verschiedene Tools vorgestellt.
- Ausführungsbestimmungen Zulassungsverfahren «sur dossier» für Bachelor-Studiengänge
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