A7 | Theorie der Schweigespirale – digibasics
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Prototyp zur Erprobung

A7 | Theorie der Schweigespirale

Eine weitere Theorie, die sich mit der Rolle der Medien für die öffentliche und unsere persönliche Meinung beschäftigt, ist die Theorie der Schweigespirale. 

Mal ganz ehrlich, hast du schon einmal nicht deine Meinung gesagt, weil du das Gefühl hattest, dass andere anders denken? Falls ja, dann geht es dir wie einigen anderen. 

Die Theorie der Schweigespirale wurde in den 1970er Jahren von der deutschen Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann beschrieben. Sie setzt sich damit auseinander, welche Rolle Medien einnehmen, wenn es um die öffentliche Meinung geht. Der folgende Erklärfilm erläutert diese Theorie genauer. 

Erklärfilm Schweigespirale (Transkript)

Die Theorie der Schweigespirale besagt, dass Menschen sich weniger trauen, ihre Meinung öffentlich zu äussern, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Das gilt besonders bei wertbesetzten oder ethisch herausfordernden Themen wie zum Beispiel dem Umgang mit dem Klimaschutz oder Migration.  

Der Mensch ist ein soziales Wesen und fürchtet tendenziell die Isolation von der Gruppe. Daher orientiert er sich an den vorherrschenden Meinungen und Leitbildern. Diese Meinungen und Leitbilder werden besonders durch die Massenmedien repräsentiert und diskutiert. Sie bestimmen daher mit, welche Ansichten als erwünscht oder vorherrschend wahrgenommen werden. 

Dabei muss die Meinung, die als Mehrheitsmeinung wahrgenommen wird, nicht der tatsächlichen Meinung der Mehrheit entsprechen.  

Das kann dazu führen, dass Menschen Hemmungen haben, ihre eigene Meinung zu sagen, weil sie nicht der vermeintlichen Mehrheitsmeinung entspricht. Dadurch, dass diese Menschen ihre Meinung nicht mehr öffentlich äussern, können wichtige Meinungsbilder nach und nach aus der öffentlichen Diskussion verschwinden. So erscheinen sie auch nicht mehr in den Medien und die vermeintliche Mehrheitsmeinung kann wiederum an Stärke gewinnen. 

Natürlich ist die Bereitschaft, sich und seine Meinung öffentlich darzustellen, individuell unterschiedlich. Haben Menschen jedoch den Eindruck, dass ihre Meinung der Mehrheitsmeinung entspricht, trauen sie sich eher, öffentlich darüber zu sprechen. 

Die Theorie der Schweigespirale zählt zu den eher veralteten Theorien der Medienwirkungsforschung, da sie Medien eine starke Wirkmacht auf den Menschen unterstellt. Zudem haben wir heute durch Internet und Social Media die Möglichkeit, uns jenseits der Mainstream-Angebote gezielt Inhalte und Interessensgemeinschaften zu suchen. Finden wir dort Gleichgesinnte, sehen wir unsere Meinung bestätigt – auch wenn sie öffentlich nicht populär zu sein scheint. Dies kann wiederum dazu führen, dass wir den Eindruck bekommen, unsere Meinung werde von einer Mehrheit vertreten, auch wenn dies tatsächlich nicht der Fall ist. 

Aus psychosozialer Sicht bleibt die Theorie jedoch relevant. Denn mit Blick auf unser Zusammenleben und öffentliche Meinungsbilder beschreibt sie ein zwischenmenschliches Phänomen, das bei der Diskussion von gesellschaftlich relevanten Themen beachtet werden muss.

Aufgabe

Schau dir den Erklärfilm an und löse das Quiz.

Quiz (Transkript inklusive Begründungen)

Frage 1: Was besagt die Theorie der Schweigespirale?

Antwort: Menschen trauen sich weniger, ihre Meinung öffentlich zu äussern, wenn sie denken, dass sie in der Minderheit sind.

Begründung: Die Theorie der Schweigespirale besagt, dass Menschen dazu neigen, mit ihrer Meinung zurückzuhalten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung nicht der Mehrheitsmeinung entspricht. Sie fürchten soziale Isolation und passen sich der vorherrschenden Meinung an, um nicht aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.

Frage 2: Warum orientieren sich Menschen oft an vorherrschenden Meinungen und Leitbildern?

Antwort: Weil sie die Isolation von der Gruppe fürchten.

Begründung: Menschen orientieren sich oft an vorherrschenden Meinungen und Leitbildern, weil sie soziale Wesen sind und die Isolation von der Gruppe fürchten. Die Zugehörigkeit zur Gruppe ist für viele Menschen wichtig, weshalb sie dazu neigen, sich an den Meinungen der Mehrheit zu orientieren.

Frage 3: Was kann dazu führen, dass wichtige Meinungsbilder aus der öffentlichen Diskussion verschwinden?

Antwort: Wenn die vermeintliche Mehrheitsmeinung an Stärke gewinnt.

Begründung: Wichtige Meinungsbilder können aus der öffentlichen Diskussion verschwinden, wenn die vermeintliche Mehrheitsmeinung an Stärke gewinnt. Menschen könnten zögern, ihre abweichende Meinung zu äussern, was dazu führt, dass bestimmte Ansichten nicht mehr diskutiert werden und die vermeintliche Mehrheitsmeinung dominiert.

Frage 4: Welche Aussage zur Schweigespirale ist korrekt?

Antwort: Die vermeintliche Mehrheitsmeinung kann von der tatsächlichen Meinung abweichen.

Begründung: Die vermeintliche Mehrheitsmeinung, die Menschen wahrnehmen, muss nicht immer mit der tatsächlichen Meinung der Mehrheit übereinstimmen. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Schweigespirale, bei dem Menschen ihre Meinung aufgrund der Wahrnehmung der Mehrheitsmeinung zurückhalten könnten, selbst wenn die tatsächliche Mehrheit anders denkt.

Frage 5: Wann trauen sich Menschen eher, ihre Meinung öffentlich zu äussern?

Antwort: Wenn sie glauben, dass ihre Meinung der Mehrheitsmeinung entspricht.

Begründung: Menschen neigen dazu, sich eher öffentlich zu äussern, wenn sie glauben, dass ihre Meinung der Mehrheitsmeinung entspricht. Diese Wahrnehmung gibt ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit in der Gruppe, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie ihre Meinung offen teilen.

Zum Überlegen

  • Siehst du in der aktuellen politischen Diskussion Beispiele, die du mit der Theorie der Schweigespirale erklären oder verstehen kannst? 
  • Welche Rolle spielen Social Media bei der Frage, welche Meinungen wir äussern?